
Die Commission d`organisation des règions fortifèes (CORF) entwickelte selbständige Kampfanlagen (casemates), deren Hauptstärke im Flankenfeuer besteht. Vorherrschend sind es Bauwerke mit Flankierungsanlagen nach beiden Seiten (casemates doubles). Ausbaustärke schußsicher. Wo das Gelände dazu zwingt, z.B. beim Zurückspringen der Widerstandslinie von von einer Kammlinie zur Hinterhangstellung, sind solche Zwischenwerke in zwei Halbwerke (casemates simples) aufgelöst, deren Flankierungsanlagen je nach einer Seite wirken. Am häufigsten und in allen befestigten Abschnitten ist die zweigeschossige Kasematte anzutreffen. Die einstöckige Ausführung findet man in Abschnitten mit hohem Grundwasserstand (Rheinfront). Die dreistöckige Anordnung ist selten.
Die Flankierungsanlagen bestehen durchweg aus zwei Panzerscharten, die hinter vorspringenden Mauern gut verdeckt sind. Eine Scharte nimmt ein Zwillings-MG (Reibel 7,5 mm Mle 1931), die andere ein überschweres MG (Hotchkiss 13,2 mm Mle 1930) oder eine Pak 4,7cm (Canon de 47 mm anitchar SA Mle 1937) oder 3,7cm (Canon de 37 Mle 1938 Semi Auotmatique) auf, welche gegen ein Zwillings-MG rasch ausgewechselt werden kann. Die Schartenöffnung wird durch Panzer völlig geschlossen. Auf der Bauwerksdecke befinden sich je nach taktischen Erfordernissen eine oder mehrere Panzerglocken GFM (Guetteur fusil Mitrailleuse) mit drei bis fünf Scharten für Beobachtung und Rundumverteidigung. Aus den Scharten kann mit rasch auswechselbaren lMG (Fusil-mitrailleur Mle 1924-M29) und 5cm Granatwerfern (Lance-grenades de 50mm) gefeuert werden. Ein Teil der Kasematten hat ausserdem für Frontalwirkung eine Einscharten-Panzerglocke JM (Jumelage mitrailleuse) für Zwillings-MG (Reibel 7,5 mm Mle 1931), welche deckengleich angeordnet leicht zu tarnen und daher schwer zu erkennen ist.
Für die Rückwärts- und Eingangsverteidigung sind zwei bis drei Scharten für lMG (Fusil-mitrailleur Mle 1924-M29) vorhanden. Eingänge und Scharten sind außen durch einen 3 Meter tiefen und 1,5 Meter breiten Trennungsgraben geschützt. Zur Bekämpfung eines in den Trennungsgraben eingedrungenen Feindes dienen hinter Scharten in Längsrichtung angeordnete lMG und Eierhandgranaten, die mittels "Handgranatenwerfer" (goulette à grenades) durch ein Ausstoßrohr oder Gleitrinne in den Graben gestoßen werden.
Beobachtet wird aus den Schartenöffnungen der Panzerglocken unmittelbar, mit Winkelspiegel oder mit Waffenoptik oder durch ein in der Turmmitte vorgesehenes Rundblickfernrohr.
Das Zwischenfeld lässt sich nachts durch splittersicher gepanzerte Scheinwerfer beleuchten, die an der Kehlmauer angebracht sind und in Bezug auf Beleuchtungsstärke und Richtung elektrisch gesteuert werden. Die Geschosshülsen werden durch unter den Scharten angeordneten Rutschen in den Abwehrgraben geleitet.
In zweigeschossigen Werken liegt das Treppenhaus in Eingangsnähe. Wohn-, Wirtschafts- und Maschinenräume befinden sich im unteren, Munitions- und Kampfräume im oberen Stockwerk. Im Inneren sind außerdem eine Nachrichtenzentrale, Räume für Stromerzeugung und Vorräte, Latrinen und eine Entgiftungsnische untergebracht. Die Luft wird durch eine Öffnung der Außenwand angesaugt. Je nach Beschaffenheit der Außenluft wird die Frischluft bei"sauberer Luft" direkt, bei "Vergaster Luft" über eine Filterbatterie ins Innere gedrückt. Das ganze Werk steht unter Luftüberdruck. Für Beleuchtung, Heizung, Be- und Entlüftung und Wasserversorgung sind kleinere Kraftanlagen vorhanden, so daß die Werke bei entsprechender Ausstattung längere Zeit selbständig, auf sich allein angewiesen, verteidigt werden können. Die Wasserversorgung erfolgt durch Schacht- oder Rohrbrunnen mit elektrischen oder Handpumpen. Die Versorgung berücksichtigt den Bedarf für die Besatzung (150l je Kopf = 15 Tage zu 10l), Feuerlöschwasser (500l) und Kühlwasser für Motore (500l).
1. Baupläne
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Grundriß einer einfachen CORF-Kasematte Quelle: OKH "Denkschrift über die französische Landesbefestigung" 01.10.1941 |
Schnitt durch eine einfache CORF-Kasematte Quelle: OKH "Denkschrift über die französische Landesbefestigung" 01.10.1941 |
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Grundriß einer doppelten zweigeschossigen CORF-Kasematte Quelle: OKH "Denkschrift über die französische Landesbefestigung" 01.10.1941 |
Grundriß einer doppelten eingeschossigen CORF-Kasematte Quelle: OKH "Denkschrift über die französische Landesbefestigung" 01.10.1941 |
2. Bewaffnung Maschinengewehre
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Fusil-mitrailleur Mle 1924-M29 Quelle: OKH D50/2 "Kennblätter fremden Geräts - Heft 2 - Maschinengewehre" 1941 |
Fusil-mitrailleur Mle 1924-M29 Aufgenommen im Petit Ouvrage La Ferte |
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Reibel 7,5 mm Mle 1931 Quelle: OKH D50/2 "Kennblätter fremden Geräts - Heft 2 - Maschinengewehre" 1941 |
Reibel 7,5 mm Mle 1931 für Panzerglocke JM Aufgenommen im Artilleriewerk Hackenberg |
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Reibel 7,5 mm Mle 1931 für Kasematte Aufgenommen im Artilleriewerk Hackenberg |
Reibel 7,5 mm Mle 1931 für Kasematte Aufgenommen im Petit Ouvrage La Ferte |
3. Scheinwerfer
In den Befestigungsanlagen der Maginot-Linie entstand
naturgemäß der Bedarf an einem System zur nächtlichen Ausleuchtung der
Feuerbereiche der Infanterieblöcke. Hierfür gab es zwei Lösungen: Leuchtraketen
und Suchscheinwerfer. Der von Eve und Noizet gefertigte gepanzerte elektrische
Suchscheinwerfer für Infanteriekasematten wurde ausgewählt, um die Feuerbereiche
der Zwillingsmaschinengewehre und Panzerabwehrkanonen in den Schießscharten der
Kasematten und Infanterieblöcke auszuleuchten. Dieser gepanzerte
Suchscheinwerfer besteht im Wesentlichen aus einem elektrischen Scheinwerfer,
der auf einer motorisierten Halterung (mit elektrischer Fernbedienung) montiert
ist und das Absuchen des abgedeckten Bereichs ermöglicht. Die Steuerung erfolgt
von einer der GFM-Kuppeln im Block aus. Der Scheinwerfer ist durch ein
gepanzertes Gehäuse vor Feindbeschuss geschützt.
Der Projektor ist ein zylindrisches Gerät mit einem Durchmesser von 350 mm,
ausgestattet mit einer passenden Linse und einem Parabolreflektor. Er verwendet
eine speziell dafür entwickelte 250-Watt-Projektionslampe. Die Lampe arbeitet
mit einem Nennstrom von 10,5 Ampere und einer Spannung von 24 Volt. Die Lampe
hatte eine Lebensdauer von 100 Stunden. Um die Lichtstärke zu erhöhen, konnte
der Strom auf 11 Ampere erhöht werden, wodurch sich die Lebensdauer drastisch
auf 20 Stunden reduzierte. Die verwendete Optik erzeugt einen homogenen
Lichtstrahl mit einem Öffnungswinkel von 10 %, was in 100 Metern Entfernung
einem 10 Meter breiten Leuchtstreifen entsprach. Die effektive Reichweite betrug
etwa 600 Meter.
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Der gepanzerte Scheinwerfer von hinten Quelle: OKH "Denkschrift über die französische Landesbefestigung" 01.10.1941 |
Der gepanzerte Scheinwerfer von vorne mit geöffnetem Verschluß Quelle: OKH "Denkschrift über die französische Landesbefestigung" 01.10.1941 |
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Der gepanzerte Scheinwerfer von hinten |
Der gepanzerte Scheinwerfer von vorne mit geöffnetem Verschluß |
4. Bewaffnung Panzerabwehr
Die 47-mm-Kanone Modell 1934 war eine französische
Panzerabwehrkanone, die speziell für die Kasematten und Befestigungsanlagen der
Maginot-Linie entwickelt wurde. Diese von den Puteaux-Werkstätten (APX)
gefertigte Waffe basierte auf der 47-mm-Schiffskanone Mle 1902. Diese Waffe,
eine der besten Panzerabwehrkanonen der französischen Armee im Jahr 1940, war in
der Lage, jede feindliche Panzerung zu der Zeit zu durchschlagen. Sie durchlief
dennoch eine besonders lange Entwicklungs- und Einführungsphase
(Entwicklungsbeginn: März 1931; Einführung: Mitte 1937 bis Ende 1938). Insgesamt
336 47-mm-Geschütze des Modells 1934 wurden in den Kasematten und Eingängen der
Befestigungsanlagen entlang der Maginot-Linie installiert. Es sei darauf
hingewiesen, dass diese Waffe in zwei Ausführungen hergestellt wurde, eine mit
einem Rohr mit tiefen Zügen und Feldern und die andere mit flachen Zügen und
Feldern.
Als Munition wurde die panzerbrechende Geschosspatrone APX Modell 1936
verwendet, eine panzerbrechende Granate mit Magnesiumzündhütchen. Diese spät
gelieferte Munition war die einzige, die von den tiefgezogenen Geschützen
verwendet werden konnte. Geschütze mit flachem Zugprofil wurden zuvor entweder
mit der 47-mm-Schiffsmunition Mle 1902 oder mit der Granate Mle 1888 M (während
der Ausbildung) sowie den panzerbrechenden Geschossen Mle 1892 G und Mle 1911 G
bestückt. Es ist anzumerken, dass für das 47-mm-Modell 1934 keine
Sprenggeschosse verfügbar waren. Die Lebensdauer des Rohrs betrug 400 bis 500
Schuss. Danach bot der Verschleiß keine ausreichende Geschoßstabilität mehr.
Die 37-mm-Kanone Modell 1934 war eine französische Panzerabwehrkanone, die
1931–33 speziell für die Bewaffnung der Kasematten der Werkgruppen und
CORF-Kasematten der Maginot-Linie entwickelt wurde. Sie wurde in den Werkstätten
von Puteaux gefertigt. Die 37-mm-Kanone Modell 1934 wurde eingesetzt, wo die
47-mm-Kanone Modell 1934 aufgrund der Enge in den Kampfräumen nicht eingesetzt
werden konnte. Die ersten 37-mm-Panzerabwehrkanonen wurden im Frühjahr 1937 in
Bitche für die Truppenausbildung installiert. Selbst diese ersten Exemplare
waren noch unvollständig, da Visiere und bestimmtes Zubehör erst entwickelt
werden mussten. Erschwerend kam hinzu, dass die Bedienungs- und
Wartungshandbücher erst 1939 veröffentlicht wurden, so dass die Truppen ohne
offizielle Dokumentation ausgebildet wurden. Die letzten 37-mm-Kanonen des Typs
Mle 1934 wurden mit erheblicher Verzögerung im Frühjahr 1938 ausgeliefert. Die
Kanone war an einer Lafette befestigt, die auf einem doppelten Schienenträger in
der Decke des Feuerraums glitt. Sie war austauschbar mit einer Zwillingslafette
des Maschinengewehrs Reibel MAC 31, die zurückgezogen werden konnte, um das Rohr
in den speziell für diese Waffe angepasste Scharte einzurasten. Die Waffe wurde
von einem Ladeschützen und einem Richtschützen bedient. Insgesamt 145
37-mm-Panzerabwehrkanonen mle 34 wurden geliefert und in der Maginot-Linie
installiert. Die 37-mm-Kanone Mle 1934 basierte auf der Marinekanone Mle 1925.
Daher besaß die Kanone dieselben technischen Merkmale.
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47mm Kanone Mle 1934 an der Deckenschiene Quelle: OKH "Denkschrift über die französische Landesbefestigung" 01.10.1941 |
47mm Kanone Mle 1934 in der Scharte Standort: Artilleriewerk Fermont |
Mit der Entwicklung der Kombinationswaffe
(25-mm-Panzerabwehrkanone und Zwillingsmaschinengewehre) wurden bereits 1936
begonnen. Diese von der Firma Batignolles & Châtillon entwickelte Modifikation
sollte die Panzerabwehrfähigkeiten der Kasematten verbessern. Die Panzerabwehr
stellte eine der größten Schwächen der Kasematten dar. Die Kuppel Typ B Modell
1934, für eine Kombinationswaffe, war eine gepanzerte Konstruktion zur
Nahverteidigung von Kasematten, die sowohl Infanteriedeckung als auch
Panzerabwehrschutz bot. Sie wurde 1934 entwickelt und in Kasematten der Nouveau
Front anstelle der Kuppeln für Zwillingsmaschinengewehre eingesetzt. Diese
Panzerglocke eignete sie sich sowohl für Flankenfeuer als auch für Frontalfeuer.
Die Geschützkuppel Modell B ist eine ovale, gepanzerte Stahlkonstruktion. Sie
ist die größte und geräumigste Kuppel, die für die Maginot-Linie entwickelt
wurde. Der Innenraum ist mit einer inneren Stahlplatte ausgekleidet, die das
Abplatzen von Stahlsplittern bei einem Volltreffer verhindern soll. Die Kuppel
verfügt über zwei Scharten, die jeweils einen anderen Feuerbereich abdecken, in
den das Kombinationsgeschütz positioniert werden kann. Die nicht verwendete
Scharte wurde mit einem gepanzerten Verschluss verschlossen. Der von jeder
Scharte abgedeckte Feuerbereich betrug 45°, und der Winkel zwischen beiden
Scharten betrug ebenfalls 45° Grad. Die Kombinationswaffe Modell 1934 bestand
aus zwei Reibel MAC 31 Maschinengewehren und einer 25-mm-Panzerabwehrkanone
Modell 1934. deren Rohrlänge 118 cm anstatt 180 cm betrug und somit an die
Abmessungen der Kuppel angepasst war. Die notwendige Verkürzung des
Geschützrohrs ging einher mit einer Verringerung der effektiven Reichweite und
Durchschlagsleistung.
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Kombinationswaffe Standort Infanteriewerk La Ferte |
Kombinationswaffe in der Panzerglocke AM Quelle: OKH "Denkschrift über die französische Landesbefestigung" 01.10.1941 |
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Kombinationswaffe in einer Bunkerscharte Quelle: OKH "Denkschrift über die französische Landesbefestigung" 01.10.1941 |
Die 25mm Pak Mle 34 Quelle: OKH D50/4 "Kennblätter fremden Geräts - Heft 4 - Leichte Geschütze" 1941 |
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Cas. de l'Ermitage |
Cas. de Praucourt |
Cas. Ouest de Jalaumont |
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Cas. Est de Jalaumont |
Cas. Ouest de Chenières |
Cas. Est de Chenières |
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Cas. de Laix |
Cas. de Morfontaine |
Cas. Ouest de Villers la Montagne |
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Cas. Centre de Villers la Montagne |
Cas. Est de Villers la Montagne |
Cas. Ouest du Verbusch |
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Cas. Est du Verbusch |
Cas. de la Ferme Thiéry |
Cas. Ouest de Bourène |
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Cas. Est de Bourène |
Cas. Ouest de Bréhain |
Cas. du Ravin de Crusnes |
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Cas. Ouest de Crusnes |
Cas. Est de Crusnes |
Cas. Ouest du Nouveau Crusnes |
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Cas. de Reservoir |
Cas. Ouest de la Route d'Ottrange |
Cas. Centre de la Route d'Ottrange |
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Cas. Est de la Route d'Ottrange |
Cas. de Tressange |
Cas. de Bure |
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Cas. du Fond d'Havange |
Cas. du Gros Bois |
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Cas. Ouest d'Escherange |
Cas. Est d'Escherange |
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Cas. Est du Petersberg |
Cas. Ouest du Bois de Kanfen |
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Cas. Est du Bois de Kanfen |
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Cas. du Sonnenberg |
Cas. Nord de Koenigsmacker |
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Cas. Sud de Koenigsmacker |
Cas. Nord de Métrich |
Cas. Sud de Métrich |
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Cas. du Bois de Koenigsmacker |
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Cas. de Menskirch |
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Cas. Ouest d'Edling |
Cas. Est d'Edling |
Cas. d'Eblange |
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Cas. Ouest du Langhep |
Cas. Est du Langhep |
Cas. 1 et 2 Bisterberg Nord |
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Cas. 3 et 4 Bisterberg Sud |
Cas. Mdu Mottenberg Sud |
Cas. Nord de Bamiderstroff |
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Cas. Sud de Bambiderstroff |
Cas. Nord de l'Einseling |
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Cas. Nord des Quatre Vents |
Cas. Sud de Quatre Vents |
Cas. Nord du Bois de Laudrefang |
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Cas. Sud du Bois de Laudrefang |
Cas. Nord-Ouest d'Achen |
Cas. du Grand Bois |
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Cas. de Wittring |
Cas. Ouest de Singling |
Cas. 1 et 2 Nord-Ouest de Singling |
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Cas. de Bining |
Cas. de la Station de Rohrbach |
Cas. Ouest du Sinnesberg |
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Cas. Est du Sinnesberg |
Cas. Ouest de Petit Rédering |
Cas. Est de Petit Rédering |
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Cas. Ouest du Seelberg |
Cas. Est. du Seelberg |
Cas. de Judenhof |
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Cas. de Holbach |
Cas. du Légeret |
Cas. du Freudenberg |
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Cas. Ouest de Ramstein |
Cas. Est de Ramstein |
Cas. Ouest de l'Aviation |
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Cas. Est de l'Aviation
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Cas. Ouest du Rochat
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Cas. Est du Rochat
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Letzter Stand: 20.02.2026