
Das kleine Infanteriewerk von Sentzich ist ein
einteiliges CORF-Bauwerk, bestehend aus zwei Infanteriekasematten und einem
Maschinengewehrturm. Es handelt sich um den Typ „alte Fronten“. Die Bewaffnung
besteht aus:
Nördlicher Gefechtsraum:
- eine Scharte für einem Reibel MAC 31 Zwillingsmaschinengewehr,
austauschbar mit einer 3,7 cm Panzerabwehrkanone
- eine GFM-Kuppel vom Typ A mit 3 Scharten
- 2 FM-Scharten zur Flankenverteidigung
- 2 FM-Scharten zur Grabenverteidigung (Dieser Gefechtsraum verfügt über einen
Notausgang, der durch eine dieser Scharten verteidigt wird)
Südlicher Gefechtsraum:
- eine Scharte für die Verwendung eines Reibel-MAC-31
Zwillingsmaschinengewehrs oder einer 3,7 cm Panzerabwehrkanone
- eine Schießscharte für die Verwendung von Reibel-MAC-31
Zwillingsmaschinengewehrs
- eine GFM-Kuppel Typ A mit 5 Scharten, ausgestattet mit einem J2-Periskop zur
Artilleriebeobachtung
- 2 FM-Scharten zur Flankenverteidigung
- 2 FM-Scharten zur Grabenverteidigung
Der Maschinengewehrturm des Infanteriewerks von Sentzich ist der erste, der von
den Batignolles-Chatillon-Werken hergestellt wurde. Er trägt die Nummer 1. Er
war auch der erste Maschinengewehrturm, der für die Aufnahme einer
Kombinationswaffe (verkürzte 25 mm Kanone mit zwei Maschinengewehren) umgebaut
wurde.
Die theoretische Besatzung des Werks betrug 3 Offiziere, 10 Unteroffiziere und
62 Mannschaften. Das Bauwerk wurde über das zivile Stromnetz von einem
Hochspannungstransformator gespeist, der an eine Freileitung angeschlossen war.
Diese Leitung versorgte auch das Artilleriewerk Galgenberg mit Elektrizität. Bei
einem Ausfall des zivilen Stromnetzes übernahm ein Kraftwerk mit zwei
Stromaggregaten mit dreizylindrigen Baudouin-Motoren vom Typ DB3 mit 36 PS die
Versorgung. Die Stromversorgung des Bauwerks erfolgte mit 220 V Drehstrom und
110 V Einphasenstrom für die Beleuchtung. Ein Rotationswandler versorgte den
Maschinengewehrturm mit 110 V Gleichstrom. Trotz der elektrischen Versorgung,
war das Infanteriewerk Sentzich mit einem Kohleherd der Marke Cubain
ausgestattet.
Aufgrund wiederholter Unterbrechungen der externen Stromversorgung durch
feindliche Artillerie wurde im Mai 1940 mit dem Bau einer unterirdischen
Stromleitung vom Galgenberg begonnen. Diese blieb jedoch unvollendet, da am 14.
Juni 1940 erst drei Viertel des Grabens ausgehoben worden waren.
Die Wasserversorgung des Bunkers erfolgte über einen Brunnen mit einer
Tauchpumpe der Marke Jeumont. Diese Pumpe wurde von den Deutschen demontiert und
in den Abri de Rippert eingebaut. Er
versorgte ursprünglich einen 30 m³ großen Speicher sowie die Kühlbehälter für
die Motoren. Während des Krieges wurde die Verteilungsanlage des Bauwerks
umgebaut, und die Tanks der Blöcke, die ursprünglich von Tankwagen gespeist
wurden, wurden direkt vom Brunnen gespeist.
Ein 2 m³ großer Tank und ein Druckerhöhungsaggregat, die im Munitionsraum
installiert waren, sicherten die Wasserversorgung der leichten Kaserne.
Mit dem Beginn des Westfeldzugs 1940 wurden die
laufenden Arbeiten (Stromanschluss über den Galgenberg, Installation der
Suchscheinwerfer) durch Artilleriebeschuß verlangsamt und konnten nur in der
Nacht durchgeführt werden. Am Abend des 13. Juni – zum Zeitpunkt des Rückzugs
der französischen Intervalltruppen werden die Außenarbeiten endgültig
eingestellt. Die Scheinwerfer sind funktionsfähig, aber der Kabelgraben ist erst
zu drei Vierteln fertiggestellt. Das Werk wird von nun an mit seinem eigenen
Kraftwerk betrieben.
– 15. Juni 1940:
Das Werk erhält den Befehl, ab 22:00 Uhr 40 % der Besatzung der Anlage zusammen
mit den verbleibenden Intervalltruppen abzuziehen. Es sollte versucht werden
Anschluß an das 167. Festungsinfanterieregiment zu finden, das sich bereits seit
zwei Tagen im Rückzug befand. Nach Kontakt mit dem Regiment unterstellen sich
die 23 Unteroffiziere und Soldaten dem III/167. RIF.
- 16.–17. Juni 1940:
Die Anlage wird für die Verteidigung nach allen Seiten
gesichert (Verfüllung der Gräben, Verlegung von Minen, Stacheldraht...). Der
deutsche Artilleriebeschuß geht weiter.
- 17. Juni 1940:
Das Werk erhält den Befehl die vollständige Evakuierung der Anlage
abzubrechen, da sich die Wehrmacht bereits aus dem Rücken nähert.
- 18. bis 21. Juni 1940:
Das Werk Sentzich wird dem Befehl des Kommandanten des
Artilleriewerks Kobenbusch. Kaum nennenswerte Ereignisse abgesehen von
nächtlichen Vorstößen und Patrouillen der Deutschen in der Nähe des
Infanteriewerks, die mühelos zurückgeschlagen wurden. Die Wehrmacht hat jedoch
inzwischen Thionville eingenommen und besetzt nach und nach das Dorf Sentzich.
- 22. Juni 1940: Der Beschuss des Infanteriewerks nimmt zu und wurde vom MG-Turm
und den 50-mm-Granatwerfern erwidert. Infiltrationsversuche fanden nun täglich
statt.
- 23. Juni 1940: Das Infanteriewerk wird von deutscher Artillerie beschossen,
möglicherweise von der Feste Obergentringen aus.
- 24. Juni 1940: Sentzich wird über das Inkrafttreten des Waffenstillstands in
der folgenden Nacht um 0:35 Uhr informiert. Die Festung beschießt Patrouillen
und Infiltrationen bis 0:30 Uhr.
- 25. Juni bis 1. Juli 1940:
Um 0:35 Uhr tritt der Waffenstillstand in Kraft,
gefolgt von einem ruhigen Tag, an dem die Besatzung das Infanteriewerk verlassen
und die frische Luft geniessen können. Die Verhandlungen zwischen den Deutschen
und dem Kommandanten von Kobenbusch begannen. Von der
Waffenstillstandskommission wird an den Werkskommandanten der Befehl zur
bedingungslosen Kapitulation und zur Übergabe der Anlagen in intaktem Zustand
überbracht. Der Termin für die Schlüsselübergabe und die Räumung wird auf den 1.
Juli 1940 festgelegt. Am vereinbarten Tag, am frühen Nachmittag, begibt sich die
Besatzung von Sentzich zum Galgenberg und tritt die Gefangenschaft an.
Das Werk ist komplett ausgestattet und in gutem Zustand, da es von einem Privatmann aufwändig und liebevoll restauriert wird.
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Infanteriewerk Sentzich: Südliche Scharten |
Gepanzerte Eingangstür |
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Infanteriewerk Sentzich: Nördliche Scharten |
Gepanzerter Scheinwerfer |
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MG-Turm: Markierung |
Scharten für 3,7 cm Pak (links) und MG (mittig), Grabenverteidigung ganz rechts |
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Bediengerät für den MG-Turm |
Bediengerät für den MG-Turm |
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Rechts 3,7 cm Pak, links Zwillings-MG |
Dieselgenerator |
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Gasfilter |
Telefonkasten |
Letzter Stand:01.04.2026