
Das Ouvrage La Ferté ist eine Infanteriebefestigung,
die von der CORF (Commission d‘Organisation des Régions Fortifiées) geplant und
errichtet wurde. Ursprünglich als Artilleriefestung geplant, beschränkte sich
der Bau aus Budgetgründen auf zwei Infanteriekasematten, die durch einen Gang
verbunden waren. Zusätzlich wurden eine Küche und ein Lazarett angebaut.
Ursprünglich sollte die Befestigungsanlage mit einem 75-mm-Turm Mle 1905
ausgestattet werden, und ein separater Eingang wurde im April 1940 erwogen.
Der ursprüngliche Planung für das Werk stammte aus dem Jahr 1934. Diese Planung
wurde zweimal überarbeitet, so daß 1935 der endgültige Lageplan verabschiedet
wurde. Die Bauarbeiten begannen im September 1935 mit den Aushubarbeiten und den
ersten Rohbauarbeiten. Neben dem Innenausbau und der Installation der
militärischen Ausrüstung war die Verlegung des Telefonnetzes, das die Festung
mit anderen Befestigungsanlagen verband, ein wichtiger Bestandteil des
Festungsbaus. Ende September 1937 waren die Rohbauarbeiten und die Montage der
Panzerungen abgeschlossen. Die Bauarbeiten wurden im Dezember 1937 beendet. Die
Festung wurde am 1. Januar 1938 an die Armee übergeben.
Im April 1940 wurde ein ehrgeizigeres Projekt entworfen und von General
Huntziger, dem Befehlshaber der 2. Armee, zu der die Festung gehörte,
vorangetrieben. Dieses Projekt sah die Verbindung der bestehenden Anlage mit den
beiden angrenzenden 75 mm Kasematten durch die Erweiterung der unterirdischen
Anlagen, den Bau einer Kaserne, eines unterirdischen Kraftwerks sowie eines
hinteren Notausgangs vor. Dieses Projekt wurde am 20. April 1940 als zweiter
Prioritätspunkt im Bauprogramm der 2. Armee für 1940-41 vorgelegt.
Bewaffnung:
Block 1: Infanteriekasematte und Eingang
- 1 Schießscharte für ein Zwillings-Maschinengewehr Reibel
MAC 31, austauschbar mit einer 47-mm-Panzerabwehrkanone auf Doppelschiene
- 1 Schießscharte für ein Zwillings-Maschinengewehr Reibel
MAC 31
- 2 Kuppeln für eine gemischte Bewaffnung (eine
25-mm-Panzerabwehrkanone und ein Zwillings-Maschinengewehr Reibel MAC 31)
- 2 GFM-Typ-B-Kuppeln (FM 24/29)
- 2 Schießscharten für FM 24/29-Maschinengewehre
- 1 Schießscharte für ein FM 24/29-Maschinengewehr im Eingang
- 2 Granatwerfer
Block 2: Zwei AM-Türme
- 1 Turm für zwei gemischte Geschütze 571
- 1 Kuppel für eine gemischte Bewaffnung (bestehend aus einer
25-mm-Panzerabwehrkanone und einem Zwillings-Maschinengewehr Reibel MAC 31)
- 1 GFM-Kuppel Typ B (FM 24/29)
- 1 VDP-Beobachtungskuppel
- 1 Schießscharte für eine FM 24/29
- 1 Schießscharte für eine FM 24/29 im Eingang - 2
Granatwerfer
Die Festung La Ferté verfügte über keinerlei indirekte Feuerwaffen. Die
50-mm-Mörser, die in den Kuppeln und den Maschinengewehr-Schießscharten (Typ B)
angebracht werden konnten, waren nicht installiert, da die Lafetten nicht
geliefert worden waren. Diese Waffen, die die Geländeverwerfungen hätten
abdecken können, wären für die Verteidigung der Festung, die nach dem Rückzug
der Intervalltruppen am 14. Mai keine weitere Unterstützung durch die
französische Artillerie besaßen, sicherlich sehr nützlich gewesen.
Die Besatzung des Forts La Ferté bestand aus 106 Mann, darunter drei Offiziere,
neun Unteroffiziere und 94 Mannschaften.
Jeder Block verfügte über ein eigenes Kraftwerk mit zwei CLM-Motorgeneratoren
des Typs 108, die je 25 PS bei 750 U/min leisten. Sie erzeugen Gleichstrom (110
V, 5,6 bis 8,6 A). Die Generatoren und elektrischen Erreger in Block 2 der
Anlage sind von Schneider Westinghouse . Ihre maximale Nennleistung beträgt 19
kVA bei 210 Volt Drehstrom (52,5 Ampere – 50 Hertz). Die verwendeten CLM-Motoren
liefern maximal 25 PS, was bei einem idealen Generator einer maximalen
elektrischen Leistung von 18 kVA entspricht, unabhängig von dessen Wirkungsgrad
oder der vom Generator aufgenommenen Energie. Die Generatoren in Block 1 sollten
daher ihre maximale Nennleistung von 13 kVA problemlos liefern können. Die
maximale Leistung der Einheiten in Block 2 sollte jedoch aufgrund des
Generatorwirkungsgrades 16 kVA nicht überschreiten.
Die Festung La Ferté besaß eine Telefonanlage mit 32 Leitungen. Diese Anlage
bestand aus folgender TM32-Ausrüstung:
- Wandpanel für 32 Teilnehmer
- Bedienpult mit 14 Leitungen
Block 2 verfügte über eine Telefonanlage mit 16 Leitungen in einem wasserdichten
Gehäuse (installiert in der VDP-Panzerglocke), die mit der Hauptanlage der
Festung (Block 1) verbunden war. Die Kabel dieser Anlage wurden gekappt, als
Block 2 am 18. Mai 1940 gegen 20:00 Uhr aufgegeben wurde. Die Festung war mit
einem Funkgerät vom Typ ER 250 F ausgestattet, das in Block 2 installiert war.
Die beiden Gebäudeteile verfügten jeweils über einen Filterraum gegen Kampfgase,
der mit fünf SP 36-Filtern und fünf weiteren als Ersatz bereitgehaltenen Filtern
ausgestattet war.
Die "Denkschrift über die französische Landesbefestigung" schreibt über die Kampfhandlungen (die im Text eingefügten Bilder beziehen sich direkt auf die Kampfhandlungen):
"Die kleine Werkgruppe 505 gehört dem Abschnitt Montmedy an, liegt auf der Höhe 215 – etwa 7 km südostwärts Carignan – und bildet den westlichen Eckpfeiler der eigentlichen Maginotlinie. Nach Nordwesten, gleichlaufend mit dem Chiersfluß, schließt sich ein schwächer ausgebauter Sperrabschnitt an. Das Werk beherrscht das Chierstal und seine Verkehrswege. Seine Wegnahme war daher für den rechten Flügel der vorgehenden 16. Armee von entscheidender Bedeutung. Die Lage der Kampfblocks auf dem Höhenrücken ermöglichte die Feuerbeherrschung des Geländes in großem Umkreis. Andererseits boten die auf weite Sicht zu erkennenden Anlagen für die angreifende Artillerie und Luftwaffe ein äußerst günstiges Ziel.
Der Angriff erfolgte am 17.05.1940, nachdem der Durchbruch bei Sedan geglückt war und die Höhe 311 und Côte de Morchand im Rücken der Befestigungsanlagen in deutschem Besitz waren. Voraussetzung für das gesamte Unternehmen war die vorherige Inbesitznahme der in die HKL einbezogenen stark befestigten Ortschaft Villy.
Wiederholten Infanterieangriffen mit starker Artillerieunterstützung war es am 17.05. nicht gelungen, Villy zu nehmen. Ein am 18.05. früh angesetzter Angriff durch das II./Inf. Rgt. 211, verstärkt durch je einen Zug der 13./Inf. Rgt. 191 und 2./Pi. 171, führte mit Unterstützung von vier s. F.H.-Batterien nach schweren und verlustreichen Kämpfen gegen 17 Uhr zur Einnahme der Ortschaft. Nach Bereitstellung am Südostrand des Dorfes gelang es dem Bataillon, im Schutz des um 18 Uhr einsetzenden Artilleriefeuers mit zwei Angriffsgruppen den Angriff auf das Höhengelände von Werk 505 vorzutragen und gegen 19 Uhr die Sturmausgangsstellungen in der Nähe der Kampfblocks a und b zu erreichen. Ein Stoßtrupp setzte den Geschütz- und MG-Stand 4 nach kurzem Kampf außer Gefecht. Mit dem Sturmangriff auf Werk 505 hatte der Kommandeur der 71. Inf. Div. um 17 Uhr die 1./Pi. 171, verstärkt durch zwei Gruppen des II./Inf. Rgt. 191, unter Führung des Oberleutnants Germer beauftragt.
|
Die Kasematte Villy, die gegen 19.00 Uhr genommen wurde. |
Die Kasematte Villy. |
|
Die Kasematte Villy nach den Kämpfen. |
Die Kasematte Villy nach den Kämpfen. |
Um 18 Uhr begann das zusammengefaßte Feuer von neun 21 cm Mörserbatterien auf die kleine Werkgruppe 505. Die s. F.H.-Batterien setzten das Gasse-Schießen auf die Hindernisse fort, während eine starke Kanonengruppe (12 Batterien) die feindliche Artillerie niederhielt.
Zwei Pionierzüge arbeiteten sich vom Südrand Villy an die Blocks bis auf 250 m heran. Gegen 19.10 Uhr sprang das Feuer der s.F.H. auf die feindlichen B-Stellen südlich Margut über, während die Mörser das Feuer auf die benachbarten Kampfanlagen verlegten. Leichte F.H.-Batterien blendeten gleichzeitig die feindliche Beobachtung durch Nebel. Zu gleicher Zeit setzte der Schartenbeschuß der in Fromy in Stellung gegangenen befindlichen 8,8cm-Flak-Batterien ein. Die Wirkung dieser Batterien war nicht durchschlagend, weil sie auf zu weite Entfernung (1,8 und 2,6 km) eingesetzt werden mußten. Näheres Herankommen war in dem deckungslosen Gelände nicht möglich gewesen.
|
Die GFM-Glocke (Nr. 8) vom Block 2 (505 b) die mit 8,8cm beschossen wurde. |
Es handelt sich hier um eine GFM-Glocke Typ B. |
|
Treffer einer 8,8cm Granate, die den Stahl nicht durchschlug. |
Abpraller einer Granate auf der Oberfläche. |
|
Die GFM-Glocke (Nr. 2) vom Block 1 (505a) die mit 8,8cm beschossen wurde. |
Abpraller einer Granate auf der Oberfläche. |
Gegen 19.20 Uhr, noch während der letzten Schüsse, stürzte sich der erste Pionier-Stoßtrupp unter Oberleutnant Germer in einem Sprung auf den Kampfblock 505b. Es gelang zunächst, das aus einer Scharte der westlichen Panzerglocke feuernde MG mit einer 3 kg-Ladung zu zerstören. In die geöffnete Scharte wurden mehrere Handgranaten hineingeschoben, was zur Niederkämpfung der Bedienungsmannschaft führte. Eine an dem halb ausgefahrenen Pak-Zwillings-MG-Turm angebrachte geballte Ladung von 40 kg war äußerlich erfolglos. Eine 6 kg-Ladung vor der geschlossenen Scharte des Turmes zerstörte den Schieber, wobei die Waffe zertrümmert und von der Lafette geschleudert wurde. Eine Verklemmung des Turmes entstand durch Ausbeulungen am Vorpanzer. Durch nachgeschobene Handgranaten wurden auch hier die Bedienungsleute außer Gefecht gesetzt. Anschließend konnten die beiden anderen Panzerglocken des Blocks durch Sprengung der Scharten, Hineinwerfen von Handgranaten, geballten Ladungen und Nebelkerzen ausgeschaltet werden. Nachts wurden in die Turmscharten des Blocks b weitere bis zu 18 kg starke Reihenladungen hineingeworfen, wodurch das Werkinnere in Brand geriet.
|
Der Versenkturm. Im Hintergrund die Ortschaft Fromy, von der die 8,8cm feuerte. |
Versenkturm Modell 1905 umgebaut für 25mm Pak und MG. |
|
Der verkantete Panzerturm. |
Die Sprengladungen haben sich in den Stahl gebrannt. |
|
Schäden im Inneren. |
Die rechte Waffenlafette ist durch 6kg-Ladung zerstört. |
Der gegen Block 505a angesetzte Stoßtrupp konnte seinen Auftrag wegen des allzu heftigen Abwehrfeuers zunächst nicht durchführen. Der Block wurde daher nochmals mit schwerem Artilleriefeuer belegt, wobei als Nebenerscheinung die Trichter für die Annäherung der Stoßzüge in erwünschter Weise vermehrt wurden. Nach Täuschung der Werksbesatzung durch einen von Block b vorgetragenen Scheinangriff setzten 1 Stoßzug durch Umgehung der Werkgruppen von Nordost und zwei Stoßzüge von Nordwesten gegen Mitternacht 3 Panzerglocken des Blocks außer Gefecht.
|
Block 1 (505a): GFM-Glocke Nr. 5 mit Sprengspuren an der Scharte. |
Block 1 (505a): GFM-Glocke Nr. 5 mit Spuren eines Abprallers. |
|
Block 1 (505a): Glocke Nr. 3 für Kombinationswaffe |
Block 1 (505a): Glocke Nr. 3 die Scharte in Nahaufnahme |
Die Besatzungen wurden durch Nachschieben größerer Ladungen in die Glockenscharten niedergekämpft. Aus der 4. Glocke, deren geschlossene Scharten nicht zerstört werden konnten, eröffnete die Besatzung am 19.05. wieder das Feuer. In der Nacht zum 20.05. wurde zunächst vergeblich versucht, die Eingangstür des Blocks zu sprengen. Alsdann gelang es, die wieder geschlossene Scharte der 4. Glocke mit einer 25 kg-Ladung zu sprengen und soviel geballte und Reihenladungen durch die zerstörte Glockenscharten nachzuschieben, bis das Blockinnere ebenfalls brannte.
...
Dadurch gerieten die brennbaren Einrichtungsstücke der Bereitschaftsräume in Brand und zwangen die Besatzung zum Verlassen der Obergeschosse und zum Hinabsteigen in die Untergeschosse und in den Hohlgang. Der Hohlgang hatte keinen unmittelbaren Ausgang zum Hintergelände. Daher war es der Besatzung nicht möglich, ins Freie zu kommen. Sie erlitt den Erstickungstod durch Kohlenoxydgase."
|
Quelle: Denkschrift über die französische Landesbefestigung OKH 1941 |
|
Der Block 1 (Werk 505a) |
Der Block 1 (Werk 505a) |
|
Die Schartenfront |
Die Schartenfront |
|
Scharte kombinierbar mit Zwillings-MG... |
oder mit 47mm PaK |
|
Die Scharte von Innen: PaK und Zwillings-MG |
Die Scharte von Innen: PaK und Zwillings-MG |
|
Der Kampfraum |
Die Scharten: links kombinierbar PaK/MG, rechts nur mit Zwillings-MG |
|
Gepanzerter Festungsscheinwerfer |
Der geöffnete Festungsscheinwerfer: die Lampe fehlt. |
|
Zugang zum Block 1 mit Nahverteidigungsscharte |
Nahverteidigungsscharte von Innen |
|
Block 1 (505a): GFM-Glocke Nr. 5 mit Sprengspuren an der Scharte. |
Block 1 (505a): GFM-Glocke Nr. 5 mit Spuren eines Abprallers. |
|
Block 1 (505a): Schäden durch die Sprengung im Inneren |
Block 1 (505a): Schäden durch die Sprengung im Inneren |
|
Block 1 (505a): Glocke Nr.1 für Kombinationswaffe |
Block 1 (505a): Glocke Nr.1 für Kombinationswaffe |
|
Block 1 (505a): Glocke Nr.1 Schäden durch Sprengung |
Block 1 (505a): Glocke Nr.1 Schäden durch Sprengung |
|
Block 1 (505a): Glocke Nr.1 Zerstörte Kombinationswaffe |
Durch die Wucht der Explosion wurden Mauern zerstört |
|
Block 1 (505a): Glocke Nr.3 für Kombinationswaffe |
Block 1 (505a): Glocke Nr.3 Schäden durch Sprengung |
|
Block 1 (505a): Glocke Nr.3 Schäden durch Sprengung |
Block 1 (505a): Glocke Nr.3 Schäden durch Sprengung |
|
Block 1 (505a): Glocke Nr.3 Schäden durch Sprengung |
Block 1 (505a): Glocke Nr.3 Schäden durch Sprengung |
|
Block 1 (505a): Glocke Nr.2 für Beobachtung und MG |
Block 1 (505a): Glocke Nr.2 für Beobachtung und MG |
|
Block 1 (505a): Glocke Nr.2 Schäden durch Sprengung |
Block 1 (505a): Glocke Nr.2 Schäden durch Sprengung |
|
Das Treppenhaus zum Hohlgang |
Das Treppenhaus im Untergeschoß |
|
Block 1 (505a): Kammer des Werkkommandanten |
Block 1 (505a): Telefonzentrale |
|
Block 1 (505a): Gasschutzfilter |
Block 1 (505a): Elektrizitätszentrale |
|
Küche |
Küche |
|
Hohlgang zwischen Block 1 und Block 2 |
Hohlgang zwischen Block 1 und Block 2 |
|
Block 2 (505b) |
Block 2 (505b) |
|
Block 2 (505b): Zugang zum Block |
Block 2 (505b): Nahverteidigungsscharte |
|
Block 2 (505b): Treppenhaus |
Block 2 (505b): Bettgestelle |
|
Block 2 (505b): Sprengschäden im Unterkunftsbereich |
Block 2 (505b): Bettgestelle |
|
Block 2 (505b): Hebel des Gegengewichtes für den Panzerturm |
Block 2 (505b): Im Zwischenstockwerk des Panzerdrehturmes |
|
Block 2 (505b): Aus den Fotoalben der Wehrmacht |
Block 2 (505b): Aus den Fotoalben der Wehrmacht |
|
Block 2 (505b): Aus den Fotoalben der Wehrmacht |
Block 1 (505a): Aus den Fotoalben der Wehrmacht |
Letzter Stand: 05.04.2026