Longwy

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"Es ist der äußerste Vorposten Frankreichs gegenüber der Grenze des nördlichen Lothringen, von Luxemburg und des südlichsten Belgien und sperrt als solcher die aus diesen gebieten kommenden, längs des Chiers weiterführenden Eisenbahnen und Straßen. 8 km südwestlich liegt ein kurzer Eisenbahntunnel, dicht an der Festung eine Brücke über den Chiers.

Longwy liegt dicht am nördlichen Chiers-Ufer, 125 m über der Talsohle, in einem von tiefeingeschnittenen Wasserläufen durchzogenen, bewaldeten Hügelland, im äußersten Westen eines reich angebauten Industriegebiets.

Longwy ist eine alte, bastionierte Festung von geringer Widerstandskraft, ohne bombensichere Räume, abgesehen von einigen unterirdischen Munitionsmagazinen. 2 kleine schwache Außenwerke, je 1 vor der West- und Südwestfront.

Hohe, sichtbare innere Grabenwände; Grabenbestreichung vom hohen Wall.

Flugplatz an der Straße nach Longuyon, Brieftaubenstation.

Geschützausrüstung 40 -50 zum Teil veraltete Kampfgeschütze. Kriegsbesatzung etwa 2 Btl. Inf., 1½ Bttr. Fußart., ½ Genie-Komp., Ersatzformationen."

Quelle: Großer Generalstab 4. Abteilung "Die französischen Befestigungen gegen Deutschland und die Grundzüge ihrer Verteidigung" Nr. 492 Geheim 1913

 

Verzierungen am Torbogen

Treppenhaus zum Graben und Tor zur Stadt

Traversen und Wall

Verfallenes Wachgebäude am Tor

Blick auf eine Bastion

Tor zur Stadt

Brücke über den Graben mit Stadttor

Ravelin

Treppen zum Ravelin: links nachträglich begradigt

Jahresinschrift

Verzierungen am Ravelin

Ravelin

Traverse im Wall vom Ravelin

Munitionsraum

Unbekanntes Gebäude

Schäden aus dem 1. Weltkrieg

Die Belagerung von Longwy im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71:

"Die Festung bildet den Vereinigungspunkt der Strassen von Thionville-Metz, von der belgischen Festung Arlon resp. Luxemburg und von derjenigen nach Verdun-Paris; zugleich sperrt sie die Querbahn zwischen Eisenbahnlinien Thionville-Mézières und der Bahn von Luxembourg nach Arlon.

Der Besitz des Platzes war für die deutsche Kriegsführung erst dann von Nutzen, nachdem Thionville, Sedan, Montmedy und Mézières erobert waren - als es nothwendig schien, den Verkehr zwischen dem nördlichen Lothringen und dem Nachbarlande her zustellen und dem Treiben der Franctireurs, das durch die Festung begünstigt wurde, in dieser Gegend ein Ziel zu setzen; die Belagerung von Longwy war als die Schlussoperation gegen die nordöstliche Festungslinie Frankreichs - mit Ausnahme von Givet und Charlemont - zu betrachten.

Longwy zählt etwa 3.500 Einwohner, liegt auf dem rechten Ufer des Chiers, und besteht aus der Ober- und Unterstadt; diese liegt im Thale, jene auf dem Plateau in der Festung. Die Letzere wurde 1680 als Vertheidigungsplatz gegen Luxemburg vom Marschall Vauban erbaut.

Der Chiers nimmt in unmittelbarer Nähe der Festung mehrere Gebirgswasserläufe auf, die im Osten und Süden derselben ein sehr tief eingeschnittenes, coupirtes Waldterrain umschliessen. Das auf der südöstlichen Seite liegende Plateau von Mexy wird von der Strasse nach Thionville durchzogen, welche in mehrfachen Windungen die Bergabhänge und die Unterstadt hinab- resp. in die Festung hinaufführt; die dortigen Bergabhänge sind sehr steil, ausserhalb der Wege kaum passirbar und bilden daher auch für die Festung ein wesentliches Annäherungshinderniss, wobei bemerkt werden muss, dass die Strassendefileen von den Kanonen der Festung überall wirksam beherrscht werden. Die Strasse nach Verdun führt durch ein mit zahlreichen Terrainwellen durchschnittenes Plateau, als dessen Mittelpunkt der Ort Cosnes anzusehen ist; hier sowohl wie auch auf dem Plateau von Mexy finden sich für Artillerieaufstellungen günstige Punkte, während das Vorterrain der Festung nur in unmittelbarer Nähe derselben bis etwa 600-800 Schritt vom Glacisfuss der Führung von Sappenzügen Vortheile bietet.

Die Festung Longwy bildet ein bastonirtes Sechseck mit 2.340 Meter Umfang und ist mit gut revetirten, trockenen Gräben versehen. Im Wesentlichen ist der Befestigungsumzug nach Vauban's erster Manier angelegt und mit den nach derselben zur Anwendung kommenden Aussenwerken - Ravelinen und Grabenscheeren - ausgestattet. Der nach dem Plateau von Cosnes zu liegenden Front - der Angriffsfront - sind am Fusse des Glacis drei niedrig profilirte Lünetten vorgeschoben. Ein grosses Hornwerk deckt die Nordostfront der Festung und beherrscht das dortige Strassendefilee und das erweiterte, muldenförmige Thal des Chiers.

Die Lage von Longwy, dicht an der belgisch-luxemburgischen Grenze, entfernt vom Schauplatz des grossen Krieges, der untergeordnete Einfluss auf den Verlauf desselben, war Veranlassung, dass vor seiner Cernirung und Beschiessung nur vorübergehend kleinere preussische Abtheilungen in seiner Nähe erschienen; gleichwohl bestimmte dies und die Erwartung einer Belagerung den Festungscommandanten, Oberst Massaroly, zu Proclamationen an die Bewohner, die zur Vertheidigung resp. zum Verlassen des Platzes aufgefordert wurden. In Folge dessen traten viele in das neutrale Belgien über.

Während die Preussen mit den Belagerung von Montmedy und Mézières beschäftigt waren, beschränkte man sich nur darauf, die Festung durch schwache Abtheilungen beobachten zu lassen und gelegentlich gegen Franctireurs aufzutreten; diese blieben mit der Festung in steter Verbindung und hinterbrachten dem Commandanten alle militairischen Anordnungen, welche in der näheren Umgebung getroffen wurden. Aufgrund solcher Nachrichten versuchte Ietzterer daher mit zwei Bataillonen in der Nacht vom 26. zum 27. Dezember die preussischen Cantonnements Tellancourt an der Strasse nach Verdun und Frenois Ia Montagne südlich davon aufzuheben. Der Ueberfall war durch eine geschickte Benutzung des Terrains sachgemäss eingeleitet, und für die Preussen auch in der That überraschend; dennoch misslang er gänzlich und die Franzosen mussten, allerdings unter Mitnahme eines preussischen Offiziers und 2 Mann baldigst ihren Rückzug nach der Festung antreten.

Die Cernirung der Festung war durch die grosse Nähe der Grenze, besonders im Nordwesten, wo sie nur ½ Stunde entfernt ist, sehr erschwert; Seitens der Königlich belgischen Regierung war eine sehr dichte Besetzung der Letzteren angeordnet. Das Cernirungsdetaschement, bestehend aus Landwehrinfanterie und Cavallerie, und hinsichtlich seiner Stärke und Zusammensetzung für den Zweck nur eben genügend, stand zu Anfang unter dem Befehl des Majors Grafen von Schmettau; nach und nach aber trafen die sämmtlichen für die Belagerung bestimmten Truppen vorläufig unter dem Befehl des Obersten von Cosel zur Beobachtung vor der Festung ein und übernahm demnächst der Oberst von Krensky, Chef des Generalstabes des 13. Armeecorps, den Oberbefehl; derselbe hatte anfänglich sein Hauptquartier in Longuyon - später in Cons la Grandeville.

Quelle: Benno von Tiedemann, Der Festungskrieg im Feldzuge gegen Frankreich 1870-71, Berlin 1872

Das Belagerungscorps hatte eine Totalstärke von:

11 Bataillonen Infanterie - nämlich Landwehrbataillone Köslin, Glatz, Münster, Oppeln, Neutomysl, Schrimm, Ostrowo, Rawicz, Anclam und Schievelbein,

2 Escadrons Cavallerie,

2 Feldreservebatterien des hess. Artillerie-Regiments No. 11,

7½ Festungs-Artillerie-Compagnien des Garde-, 4., 7. und 8. Festungs-Artillerie-Regiments,

4 Festungs-Pionier-Comp. des 1., 2., 3. und 9. Armee-Corps.

Als Commandeur der Belagerungs-Artillerie fungirte der Major Wolf und die obere Leitung der Ingenieurarbeiten war dem Obersten Schott vom Stabe des Ingenieur-Corps übertragen.

Der energische Festungscommandant, Oberst Massaroly (ein Corse von Geburt), erschwerte den Aufmarsch des Belagerungscorps vor der Festnng, so viel dies in seinen Kräften stand; vielfach kam es bei dieser Gelegenheit zu Recognoscirungs- und Vorpostengefechten, und überall mussten die Positionen durch fortifikatorische Einrichtungen, Barrikaden u. dergl. gegen fernere derartige Offensiv-unternehmungen der Franzosen sicher gestellt werden. So fielen bei Heserange, nur ½ Stunde von Longwy, in einem bewaldeten, tief eingeschnittenen Seitenthal des Chiers, und beim Bahnhof, südlich von der Festung sowie an anderen Orten, Rencontres vor, überall um die dort von den Preussen vorgenommenen Arbeiten und Einrichtungen zu stören.

Durch diese Thätigkeit der wachsamen Garnison wurden selbstverständlich auch die nothwendigen von der Artillerie und dem Genie zu unternehmenden technischen Recognoscirungen sehr erschwert und aufgehalten, die durch das coupirte Terrain überhaupt nicht sonderlich begünstigt waren; gleichwohl mussten sie zum Behufe der Aufstellung des Angriffsplanes vorgenommen werden. Betreffs des letzteren, so entschied man sich dafür die Front V-VI anzugreifen und event. in das für den Naheangriff günstig liegende Bastion VI einzudringen. Abgesehen von der für diese Wahl sprechenden Beschaffenheit der Werke in fortifikatorischer Beziehung, forderten dazu die bereits erwähnten Vortheile des dortigen Vorterrains und die völlig gesicherte Anlehnung des rechten Flügels der event. Angriffsarbeiten an die. steilen Abfälle des Chiersthales besonders auf.

Die Heranschaffung des Belagerungsparkes für die Artillerie, von Material und Schanzzeug für den Batterie- und Tranchéebau und sonstigem zur Durchführung des Angriffs erforderlichen Zubehör war bei der Lage Longwy's, abseiten der grossen Strasse, schwierig und zeitraubend; es musste vor Allem die Wiederherstellung der Eisenbahn von Longuyon nach Cons la Grandeville - letzteres eine Meile südlich der Festung, woselbst die Etablirung des Hauptbelagerungsparkes in Aussicht genommen war, vollendet werden; das geschah ausschliesslich und zwar in sehr kurzer Zeit durch Pioniere. Die Einrichtung des qu. Parkes an dieser Stelle war bei dem sehr durchschnittenen Vorterrain der Festung immer noch die günstigste, wiewohl trotzdem die Versorgung der Batterien mit Geschützen und Munition von hier aus ungemeine Schwierigkeiten machte; schlechte, steile Wege, Glatteis, Schneefall trugen dazu bei. Für die Ausführung den Ingenieurarbeiten wurden zwei Schanzzeugdepots, eins bei Villers la Moutagne und eins hinter Villers la Chèvre etablirt.

Der Geschützpark war zusammengesetzt aus:

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17 24pfünder,

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33 12pfünder (beides preussisches Material)

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4 27 cm.-Mörser,

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14 22 cm.-Mörser,

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12 15 cm.-Mörser

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6 Mitrailleusen (französisches Material).

In Summa 86 Geschütze excl. Feldgeschütze.

Die Geschütze wurden aus den Beständen verschiedener Festungen, so u. A. aus Thionville, Metz und Montmedy herangezogen: gleichzeitig erfolgte von dorther die Beistellung eines Theiles des Batteriebaumaterials, während das Fehlende aus der holzreichen Umgegend, ebenfalls oft unter besonderen Schwierigkeiten beschafft resp. angefertigt werden musste.

Mit dem Batteriebau selbst wurde nicht bis zum Eintreffen der letzten Geschütze gewartet, welches sich durch die beschränkte Benutzung der Eisenbahn verzögerte; überdem konnte man darüber nicht im Zweifel sein, dass derselbe sich unter den obwaltenden Verhältnissen ohnehin verzögern werde - einmal wegen der äusserst schwierigen Bodenverhältnisse, dann aber auch wegen der wahrgenommenen Aufmerksamkeit des Feindes: keinesfalls würde es möglich gewesen sein, die Batterien - wie doch sonst der Fall - in einer Nacht zu erbauen. Bevor man zum Batteriebau schreiten konnte, waren anderweite technische Arbeiten auszuführen; dazu gehörte vor Allem die Anlage eines Weges auf dem Mont des Chats, die Streckung von Telegraphenleitungen von Longuyon nach dem Hauptquartier und nach Villers la Montagne. Auch schien es nothwendig, die nach Luxemburg führende Eisenbahn durch Aufreissen von Schienen und Sprengung einer Ueberbrückung zu zerstören.

Bereits am 16. Januar konnte man mit dem Batteriebau vorgehen und war der Bau erst nach Verlauf von drei Nächten - bei einigen noch später - vollendet. Hierbei wandte man ein eigenthümliches Verfahren zum Behufe grösserer Deckung und geringer Wahrscheinlichkeit des Entdecktwerdens an, indem die Flankenbrustwehren mit flach ansteigenden, in der Ferne wenig bemerkbaren Böschungen versehen wurden.

...

Die Batterien standen etwa auf 2-2.400 Schritt Entfernung, und aus ihrer ganzen Anordnung geht die dem Angriffsentwurf entsprechende Absicht hervor, von Allem die gewählte Angriffsfront gründlich zu verarbeiten, bevor man zum Naheangriff überging und die Artillerievertheidigung der Collateralwerke vorher, so viel als irgend thunlich, lahm zu legen.

Um die Garnison möglichst lange über die Angriffsausführung im Unklaren zu lassen, und um den erschwerten Batteriebau möglichst unbehelligt vom Feinde fertig stellen zu können, wurde die Festung von verschiedenen Stellen im Vorterrain beschossen; zu dem Ende fuhren vom 16.-19. Januar die beim Belagerungscorps befindlichen Feldbatterien hinter Terraindeckungen gegen die Festung auf, gaben schnell mehrere Lagen Granaten in den Platz, um nachher eben so schnell wieder zu verschwinden, wie sie gekommen waren.

Diese Beschiessung aus Feldgeschützen blieb nicht ohne Erfolg; die Granaten zündeten hier und da in der Stadt, brachten Angst und Schrecken unter den Einwohnern hervor und hielten die Garnison zur Ermüdung unter dem Gewehr; zu bedeutenden Bränden jedoch ist es nicht gekommen, es wurde nur das Dach des Gefängnisses und der Kirchturm durchschossen. Um in möglichster Nähe der Festung gesicherte Positionen zu schaffen, wurden in der darauf folgenden Nacht die Ferme Pulventeux etwa 1000 Schritt südlich der Festung zur Vertheidigung eingerichtet, Schützengräben bis nach dem dortigen Abhang hingezogen und dergleichen, etwa in gleicher Höhe zu beiden Seiten der nach Verdun führenden Chaussee, angelegt. Am Abend des 18. Januar wurde die westlich der Unterstadt liegende Porzellanfabrik und der Bahnhof von den Belagerern besetzt.

Am 19. Januar, Morgens gegen 8 Uhr, eröffnete Batterie No. 1 das Feuer aus Belagerungsgeschütz; die Festungsartillerie nahm, sobald sie hierüber im Klaren war, eine verstärkte Geschützarmirung ihrer Werke vor und erwiderte das Feuer mit Ruhe; sie richtete dasselbe besonders gegen Batterie No. 1, demontirte mehrer Geschütze und führte einige Verwundungen und Todesfälle unter der Mannschaft herbei.

Erst am 20. Januar gelang es dem Zusammenwirken mit Batterie No. 2, die Artillerie des Vertheidigers gegen Abend zum Schweigen zu bringen und die Werke so zu demoliren, dass der Gegner nicht zur Fortsetzung seines Feuers über Nacht gelangen konnte. Starke Nebel liessen übrigens den Geschützkampf nicht zu rechter Entwickelung kommen und veranlassten auf beiden Seiten längere Pausen in der Abgabe des Feuers. In der Nacht vom 19. zum 20. Januar wurde, um Ausfälle der Besatzung gegen die Batterien auf dem Iinken Chiersufer zu erschweren, die in der Unterstadt belegene über den Fluss führende Brücke gesprengt. Auch auf dem linken Flügel des Angriffs, der die bei weitem grössere Zahl der Angriffsbatterien enthielt, hatte auf beiden Seiten ein mit gleicher Heftigkeit geführter Artilleriekampf stattgefunden; man hatte beim Belagerer genau nach dem Angriffsplan verfahren und gegen die Angriffsfront schnell grosse Erfolge gehabt. Diesen zufolge säumte man auch nicht mit der Anlage einer Parallele mittelst der gemeinen Sappe vorzugehen; sie wurde daher schon in der Nacht vom 21. zum 22. Januar etwa 1.000 Schritt von der Festung und fast, eben so weit vor den Batterien angelegt. Auch dieser Ausführung war der starke Frost hinderlich, so dass es in der ersten Nacht nicht möglich war, das vorgeschriebene Profil von 4½ Fuss oberer und 3 Fuss unterer Breite bei 4 Fuss Tiefe herzustellen; es bedurfte vielmehr der fortgesetzten Erweiterungsarbeiten am folgenden Tage und in der Nacht vom 22. zum 23. Januar, um einigermaassen die Parallele für ihren Zweck herzurichten resp. Auszubauen und eine ausreichend starke Brustwehr zu gewinnen.

Am 22. Januar, 8 Uhr Morgens; nahm der Geschützkampf seinen Fortgang, nachdem die Festungsartillerie und die Garnison in der Nacht vorher sich ruhig verhalten und namentlich den Bau der Parallele nicht gestört hatten. Batterie No. 7 und No. 8 begannen ihr Feuer. Die Erfolge der preussischen Artillerie waren im Ganzen befriedigend; jedoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Feind hauptsächlich nur gegen Batterie No. 2 schoss und gegen Nachmittag in der Vertheidigung erlahmte. Abends wurde in der Parallele, dem Bastion V gegenüber, Batterie No. 9 eingerichtet und sofort mit vier 21 cm-Mörsern armirt, um gegen feindliche Arbeiter und sonstige Mannschaften daselbst zu wirken. Dadurch dass die Besatzung während dieser Ausführung einen Ausfall machte und mit den preussischen Vorposten in ein Feuergefecht gerieth, trat eine mehrstündige Unterbrechung der Arbeit ein.

Am 23. Januar Fortsetzung des Feuers auf beiden Seiten. Es unterlag keinem Zweifel, dass die Batterien No. 1 und No. 2 dem Feinde ausserordentlich unbequem sein mussten - denn auch heute beschäftigte sich derselbe vorzugsweise mit ihnen, indem er mit einigen neu in Position gebrachten Geschützen, namentlich aus schweren Mörsern, gegen sie feuerte. Im Uebrigen verhielt er sich ziemlich ruhig, da der Dienst auf den arg beschossenen und mitgenommenen Wällen anfing sehr schwierig zu werden. Die Anlage der Mörserbatterie No. 10 für vier 22 cm-Mörser, der Mörserbatterie No. 11 für vier 27 cm-Mörser wurde in Angriff genommen und für die kommende Nacht lag es in der Absicht die Mitrailleusenemplacements No. 1 und No. 2 auf die Flügel der Parallele zu verlegen, um deren Geschütze bei event. Ausfällen gegen die Transchéearbeiten näher zu haben. Abends 8 Uhr entstand in der Festung Brand; wiewohl derselbe sofort zum Ziel mehrerer Angriffsbatterien genommen wurde, gelang es doch der Garnison, ihn über Nacht zu löschen.

Am 24. Januar: In der vorigen Nacht war die Batterie No. 9 schussfertig geworden und gegen 8 Uhr Morgens nahm die Beschiessung der Festung ihren gewohnten Fortgang; der Feind erwiderte sie nur äusserst mässig. Von Neuem entstand Feuer in der Festung, welches einen solchen Umfang schliesslich nahm, dass es nicht mehr gelöscht werden konnte. Die am Tage vorher begonnenen beiden Mörserbatterien No. 10 und 11 wurden schussfertig; der Bau derselben machte ganz besondere Schwierigkeiten, da sie in festgefrorenem, mit Wurzeln stark durchzogenem Waldterrain angelegt werden mussten.

Da es darauf ankam, das Angriffsbastion VI mit der Parallele zu umfassen, so sollte die letztere in der folgenden Nacht verlängert und so dirigirt werden, dass ihr rechter Flügel über das Bastion hinweggriff und dort von demselben nun 600 Schritt entfernt lag.

Bereits war man mit den Vorbereitungen für diese nächtliche Arbeit beschäftigt, als bei den Vorposten ein Parlamentair der Festung erschien, um wegen Capitulation der Letzteren zu unterhandeln; diese kam am 25. Januar in den frühen Morgenstunden auch zum Abschlusse. 200 Festungsgeschütze, darunter eine Anzahl sehr beschädigter, eine Menge anderweites Kriegsmaterial und nahezu 4.000 Kriegsgefangene fielen in die Hände des Belagerers. Unter den erbeuteten Geschützen befanden sich mehrere gezogene 24pfünder neuester Construction und von grosser Tragweite, die 1867 gelegentlich der Luxemburger Händel auf speciellen Befehl des damaligen Kriegsministers, Marschall Niel, in die Artillerieausrüstung von Longwy eingestellt worden waren.

Zum Vergleich mit dieser Belagerung führen wir an, dass Longwy 1792 den preussischen Truppen übergeben, indessen bald wieder geräumt worden war. 1814 wurde es nicht eingeschlossen, 1815 aber durch preussische Truppen unter dem Prinzen von Hessen-Homburg cernirt; diese Letzteren wurden durch mehrfache Vorstösse aus Thionville zum Rückzuge gezwungen, kehrten mit Verstärkung zurück, eröffneten die förmliche Belagerung und zwangen nach Fertigstellung der zweiten Parallele am 18. September die Festung zur Capitulation."

Quelle: B. von Tiedemann "Der Festungskrieg im Feldzuge gegen Frankreich 1870-71" Berlin 1872

 

Die Belagerung im 1. Weltkrieg:

"Von den Festungen der französischen Nordfront hatte die ganz veraltete Festung Longwy, noch vor Maubeuge, den ersten Anprall feindlicher Kräfte auszuhalten. Die Festung liegt auf einem ins Tal des Chiers abfallenden Felsplateau, an der belgisch-luxemburgischen Grenze, und beherrscht einige aus Belgien und Luxemburg nach Frankreich führende Straßen und Bahnen. Ihre Befestigung bestand 1914 einzig aus der alten Vaubanschen Stadtumwallung. In den ersten Tagen August wurde dazu eine feldmäßig befestigte äußere Verteidigungslinie, 600-1000 m vor die Festungswälle vorgeschoben, mit Stützpunkten und Batterien, in einer Gesamtlänge von ca. 7 km erstellt. Die nicht eingesehenen Räume wurden durch ausgedehnte Baumverhaue unpassierbar gemacht.

In der Festung befanden sich 50 auf offenem Wall aufgestellte Geschütze, darunter zwölf lange 12-cm-Kanonen. Die Besatzung bestand aus zwei Bataillonen Infanterie und einigen Detachementen Spezialwaffen, total ca. 3.500 Mann. Kommandant der Festung war Lt.Colonel Darche.

Schon am 8. August wurde die Festung durch feindliche Kavallerie der deutschen 5. Armee beunruhigt und am 10. August zur Übergabe aufgefordert. Bis zum 20. August konnte die Besatzung durch vorgeschobene Detachemente verschiedene feindliche Unternehmungen auf größere Entfernung abhalten; sie wurden dann aber am 20. durch stärkere feindliche Kräfte auf die Festung zurückgeworfen.

Am 21. August wurde die Festung durch eine verstärkte deutsche Brigade unter dem Befehl des Generallt. Kämpfer auf der Nord- und Nordostfront abgeschlossen. Hinter dieser Schutzstellung wurden sofort 15-cm-Feldhaubitzen in Stellung gebracht, welche noch im Laufe des 21. das Feuer gegen die Festung eröffneten. Gleichzeitig wurde die äußere Verteidigungslinie durch Feldartillerie und Infanterie angegriffen und die Franzosen vom nördlichen Teil dieser Linie vertrieben und auf die Festungswälle zurückgeworfen.

Am 22. August unternahm die 3. französische Armee von Süden her einen Vorstoß in diese Gegend und gelangte bis nahe an die Festung heran. Die Deutschen vor der Festung wurden dadurch genötigt, ihre Angriffstruppen etwas zurückzunehmen. Es gelang den französischen Feldtruppen aber nicht, Kontakt mit der Festung zu nehmen, und sie wurden bald wieder zum Rückzuge gezwungen. Darauf wurde das Bombardement der Festung wieder aufgenommen und bis zum 25. August mehr und mehr verstärkt.

Am 26. August wurde die ganze 24. Res. Div. dazu verwendet, die Festung vollständig abzuschließen, und alle Vorbereitungen wurden getroffen, um am folgenden Tage zum Sturme zu schreiten. Hierzu kam es jedoch nicht mehr. Die Stadt lag bereits in Trümmern, und die meisten Truppenunterkunfts-Kasematten waren stark beschädigt. Als auch die Gewölbe des Lazaretts einzustürzen drohten, bat der Festungskommandant um Waffenstillstand zur Evakuierung der Ver­wundeten, doch wurde ihm dieser verweigert. Er leitete daraufhin Übergabeverhandlungen ein, die am 26., nachmittags 3 Uhr, zur bedingungslosen Übergabe führten. Alle Mittel der Verteidigung waren so ziemlich erschöpft, und da die Besatzung sich mit anerkennenswerter Hartnäckigkeit gewehrt hatte, so gab der deutsche Kronprinz dem Festungskommandanten den Degen zurück.

Mit der Festung fielen den Deutschen 29 Offiziere, 3.146 Mann und außer den 50 Geschützen noch große Mengen Kriegsmaterial in die Hände."

Quelle: Genieoberst J.Rebold, ehem. Chef des eidg. Festungsbaubureau "Die Festungskämpfe im Weltkriege" 1938

 

Letzter Stand: 07.11.2016