Fort Pontisse

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Fort Pontisse besitzt die Grundform eines Trapezoids und wurde zwischen 1888 und 1891 gebaut. Es befindet sich auf einem Hügel über der Ortschaft Vivegnis inmitten eines Gewerbegebietes. Vom Fort hat man einen guten Ausblick auf das Tal der Maas Richtung Visè und Lixhe. Die Bewaffnung des Forts bestand im Jahr 1914 aus

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2 Panzerkuppeln mit 21 cm Krupp-Gruson Haubitzen (6900m Reichweite)

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1 Panzerkuppel mit 2 X 15 cm Creusot-Geschützen (8300m Reichweite)

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2 Panzerkuppeln mit 2 X 12 cm Châtillon-Geschützen (8000m Reichweite) und

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1 versenkbare Kuppel für einen Scheinwerfer.

Für die Nahverteidigung existierten vier versenkbare Kuppeln mit 5,7 cm Nordenfelt-Kanonen, die eine Reichweite von 3375 Metern besaßen. Die Verteidigung der Gräben wurde ebenfalls durch diese schnellfeuernden Geschütze gewährleistet. Die Poterne des Forts war neben dem Eingangsgitter und einer Rollbrücke mit beiderseitigen Scharten gesichert. Der Abstand der Forts im Festungsgürtel war so bemessen, dass man sich durch Feuer gegenseitig decken konnte. Die Energieversorgung geschah durch eine Einzylinder-Dampfmaschine, die einen Schuckaert Dynamo 76 Volt und 140 Ampere antrieb. Ein hydraulischer Akkumulator sorgte für die notwendige Bewegungsenergie der Panzerkuppeln. Für die Wasserversorgung sorgte ein 30 Meter tiefer Brunnen, dessen Wasser mittels Pumpe gefördert und in Zisternen aufgefangen wurde. Von den Zisternen konnte das Wasser durch natürliches Gefälle weitergeleitet werden. Brauchwasser leitete man über einen Entwässerungsstollen ab. Die Beheizung der Räume geschah mittels kleiner Kohleöfen, deren Schornsteine die Eskarpenmauer durchbrachen. Fort Pontisse hatte eine Besatzung von ungefähr 350 Mann, unter ihnen etwa hundert Infanteristen.

Die Kämpfe im August 1914 begannen für das Fort Pontisse am 4. August, als es das Feuer auf die Übersetzstellen der deutschen Armee über die Maas eröffnete. Nachdem sich die deutschen Truppen an den Festungsgürtel heran geschoben hatten, versuchte man deutscherseits in der Nacht vom 5. auf den 6. August im Handstreich die Forts und Lüttich einzunehmen. Dies misslang allerdings an der völlig unterschätzten Stärke des belgischen Heeres in diesem Raum, zum anderen an dem gut liegenden Feuer der einzelnen Forts.

Im Raum des Fort Pontisse versuchte die 34. Inf.-Brigade Richtung Zitadelle Lüttich durchzubrechen und erhielt dabei heftiges Feuer vom Fort. In Verkennung der Situation wurde daraufhin das II. Batl. Füs.Regt.90 mit dem Auftrag losgeschickt, die „frei stehende Batterie“ zu nehmen. Das Bataillon kommt bis zum Graben von Pontisse, muss sich aber unter starken Verlusten zurückziehen. Obwohl Teile der 34. Inf.-Brigade in der Nacht bis nach Lüttich vorstoßen können, muss sich die Brigade aufgrund des starken Widerstandes zurückziehen. Generalmajor von Kraewel meldet am 6. August um 18.00 Uhr der Generalkommando: „Habe mich 10.30 Uhr entschlossen, mit der Brigade zurückzugehen, um mich der drohenden gänzlichen Vernichtung der Brigade zu entziehen ... Um nicht etwa während der Nacht durch Artilleriefeuer von Fort Pontiusse her gefasst zu werden, gehe ich demnächst auf das östliche Maasufer über ...“. Der Durchbruch war durch das Feuer aus Pontisse gänzlich gescheitert und die Brigade musste auf ihre Ausgangsstellung zurück.

Erst später gelingt es den deutschen Brigaden zwischen den Forts durchzubrechen und Lüttich einzunehmen. Im Anschluss hierauf wird schwere Artillerie aufgefahren und man beginnt die Forts zu beschießen.

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Am 8. August kapituliert Fort Barchon

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Am 11. August kapituliert Fort Evegnée

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Am 14. August kapitulieren die Forts Liers und Fléron

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Am 15. August kapituliert Boncelles, Lantin und Loncin explodiert

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Am 16. August kapitulieren Flémalle und Hollogne

Fort Pontisse kapituliert am 13.08.1914 mittags nach zwei Tagen Beschuss durch schwerste Artillerie. Dabei erhielt es allein 43 Treffer durch den 42cm Mörser, die erhebliche Beschädigungen verursachten. Fortkommandant Speesen bezeichnete den Beschuss als „Hölle“. Dennoch wiedersetzt sich Pontisse dem Beschuss und hält seinerseits die Anmarsch- und Versorgungswege der Deutschen unter Feuer. General Leman, der inzwischen sein Hauptquartier in das Fort Loncin verlegt hat, erwähnt lobend Fort Pontisse in seinem Tagesbefehl: „Ich bin mit dem Widerstand von Fort Pontisse sehr zufrieden und bemerke mit Vergnügen das die Moral und Einstellung der Garnison ausgezeichnet ist. Ich erwarte, das dieses Fort bis zum letzten Ende gehalten wird, da die Sicherheit des Vaterlandes davon abhängt.“

Während des 1. Weltkrieges halten die Deutschen Pontisse besetzt. Dabei wird es in Teilen modernisiert und einige gravierende Mängel beseitigt. So kommt es zu der Kuriosität, dass Pontisse am Ende des 1. Weltkrieges in modernerem Zustand in die Hände der Belgier zurückfällt, als vor Beginn.

Ab 1928 wurde Pontisse rearmiert und verstärkt, damit es erneut in den aktiven Dienst übernommen werden konnte. Da man bei Lüttich nur die Ostfront in Verteidigungszustand versetzen wollte, wurden die Forts ostwärts der Maas, Barchon, Evegneè, Flèron, Chaudfontaine, Embourg und Boncelles sowie die zwei unmittelbar der Maas gelegenen Forts Pontisse und Flèmalle erneuert. Die Modernisierung des Forts Pontisse erfolgte in der Weise, dass

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die Drehtürme für je eine 210mm Haubitze eine 150mm Kanone erhielten

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die Drehtürme für zwei 150mm Kanonen für Granatwerfer und MG umgebaut wurden, um die geringe Nahkampffeuerkraft zu verstärken

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die Drehtürme für eine 120mm Kanone mit zwei 105mm Kanonen bestückt wurden

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die 57mm Verschwindtürme einen Eisenbetonmantel und eine Bestückung mit kurzen 75mm Geschützen erhielten

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die Scharten der 57mm Kanonen in den Grabenstreichen und der Eingangsverteidigung für den Einsatz von MG umgebaut wurden

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die großen Fenster der inneren Kehlkaserne bis auf kleine, verschließbare Entlüftungsöffnungen zubetoniert wurden.

Mit Beginn des 2. Weltkrieges wird auch Pontisse in den Alarmzustand versetzt. Der Westfeldzug beginnt u.a. mit dem legendären Angriff auf Fort Eben-Emael. Um dieses Fort zu unterstützen feuern Pontisse, Barchon und Evegneè auf die Werksoberfläche und versuchen so die deutschen Fallschirmjäger an ihren Handlungen zu behindern. Sie sind die einzigen Forts, deren Geschützreichweite Eben-Emael noch erreichen kann. Aber es ist zu diesem Zeitpunkt für Fort Eben-Emael bereits zu spät. Daneben feuert Pontisse auch noch auf andere Positionen, wie z.B. auf die Brücken von Hermalle, Haccourt und Vivegnis. Am 18.05.1940 muss Fort Pontisse kapitulieren. Bombardiert durch Stukas und beschossen durch 8,8cm Flak und 3,7cm Pak, sind die Beschädigungen am Fort so groß, dass an eine Fortsetzung des Kampfes nicht zu denken ist. Zudem ist der Munitionsvorrat verschossen. Für die 75mm Geschütze stehen gerade noch 30 Granaten zur Verfügung und ein Nachschub ist angesichts deutscher Luftüberlegenheit nicht möglich. Am 28.05.1940 kapituliert die belgische Armee.

Nach dem 2. Weltkrieg nutzte die Firma FN Herstal das Fort als Lager für Schiess- und Sprengpulver. Die Einbauten aus Metall wurden in den 50er Jahren verschrottet. Seit 1993 ist das Fort zwar an einen Privatmann verkauft, verfällt aber zunehmend und dient als illegale Müllkippe.

Blick auf die ehemalige Kehlkaserne

Ehemalige Kasernenräume, zu Munitionslager umgebaut

Toiletten für Mannschaften

Offizierstoilette

Nahverteidigungsscharte im Kehlblockhaus

Detail der Scharte für leichtes MG

Glasisolatoren der elektrischen Anlage

Wasserpumpe

Reste der elektrischen Anlage

Stahlklappe für Scheinwerferscharte

Treppe zum Untergeschoß

Hohlgang mit entfernter Wellblechverschalung

Unterkunftsraum im Untergeschoß

Fundamente für Maschinen

Ehemaliger Standort des 105mm Panzerturms

Ehemaliger Standort des 75mm Panzerturms

Öffnung für verschrotteten Scheinwerferturm

Öffnung für verschrotteten 75mm Panzerturm

Grabenstreiche

Scharte für MG in Grabenstreiche

Letzter Stand: 04.11.2016