Petit Ouvrage Kerfent

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Der ursprüngliche Plan für die Befestigungsanlage Kerfent von 1931 sah eine Anlage aus 15 Kampfblöcken vor. Dieser Plan umfasste zwei flankierende Kasematten für je drei 7,5 cm Geschütze, einen 7,5 cm Turm, einen 135 mm Turm, einen 81 mm Granatwerferturm, einen Beobachtungsblock, zwei Doppelkasematten und zwei Einzelkasematten, zwei Infanteriekasematten, einen Maschinengewehrturm und zwei Eingänge (für Munition und Besatzung). Aus Budgetgründen wurde die Befestigungsanlage fast vollständig aufgegeben und nur die Blöcke 1, 2 und 3 wurden realisiert. Block 4 (der Beobachtungsposten Mutscherberg), der den verschobenen Block 8 ersetzte, wurde anschließend gemäß dem Plan vom Januar 1933 gebaut und mit der Befestigungsanlage verbunden. Dieser sollte mit einer VDP-Beobachtungskuppel ausgestattet werden.
Auf Vorschlag der CORF sollte dieser Beobachtungsposten durch einen 500 Meter langen Stollen mit dem Infanteriewerk Kerfent verbunden werden. Dadurch entfiel die Notwendigkeit eines separaten Eingangs für den Beobachtungsposten, da die Beobachter innerhalb der Befestigungsanlage untergebracht werden konnten.
Kurz nach der Fertigstellung des Block 4, im Winter 1934/35, kam es zu einem großen Erdrutsch vor dem Beobachtungsblock und legte teilweise die Grundmauern frei. Das ursprüngliche Entwässerungssystem, das unter dem Turm am Hang verlief, wurde dabei zerstört. Eine Untersuchung des Vorfalls ergab, dass die Bauausführung vor dem Beobachtungsblock mit Mängeln behaftet war. Die unverdichtete Erde hatte keine ausreichende Haftung auf dem mergeligen Untergrund. Witterungsbedingtes Sickerwasser führte schließlich zur Trennung der Bodenschichten. Dies führte zu drei Jahren voller Projekte, Gegenvorschläge und Überarbeitungen, um die Situation zu verbessern. Letztendlich wurde die Erde durch Steinbruchmaterial ersetzt und der Hang so stabilisiert. Die Arbeiten waren im Winter 1938/39 abgeschlossen.

Die Hauptaufgabe des Infanteriewerks Kerfent bestand in der Sicherung der Straße Metz/Saarbrücken, die zur Achse Metz/Paris führt. Zudem diente es der Flankensicherung der benachbarten Befestigungsanlagen Mottenberg im Norden und Bambesch im Süden. Das Werk trug die Nummer 240 a, b, c, d im deutschen Nummerierungssystem.

Die Bewaffnung bestand aus
Block 1:
   
- 1 Maschinengewehr-Turm, umgebaut zu einer Mehrzwecklafette (25 mm Panzerabwehrkanone und zwei Reibel MAC 31 Maschinengewehre)
      - 1 GFM-Typ-A-Kuppel (leichtes Maschinengewehr und 50 mm Mörser).
Block 2: Infanteriekasematte und Eingang
      - 1 Scharte für zwei Reibel MAC 31 Maschinengewehre, austauschbar mit einer 47 mm Panzerabwehrkanone auf Doppelschiene
      - 1 Scharte für zwei Reibel MAC 31 Maschinengewehre
      - 2 GFM-Typ-A-Kuppeln (leichtes Maschinengewehr und 50 mm Mörser)
      - 1 Granatwerfer-Kuppel (unbestückt)

      - 1 Schießscharte für ein leichtes Maschinengewehr an der Vorderseite   

      - 1 Schießscharte für ein leichtes Maschinengewehr zur Verteidigung des Eingangs.

Block 3: Infanteriekasematte
      - 1 Schießscharte für ein Zwillings-Maschinengewehr Reibel MAC 31, austauschbar mit einer 47 mm Panzerabwehrkanone auf Doppelschiene

      - 1 Schießscharte für ein Zwillings-Maschinengewehr Reibel MAC 31
      - 2 GFM-Typ-A-Kuppeln (leichtes Maschinengewehr und 50 mm Mörser)
      - 1 Schießscharte für ein leichtes Maschinengewehr an der Fassade.
Block 4: Beobachtungsposten (Mutscherberg)
       - 2 GFM-Typ-A-Kuppeln (leichtes Maschinengewehr und 50 mm Mörser)
       - 1 VP-Artilleriebeobachtungskuppel für Periskop

Die theoretische Besatzung des Infanteriewerk Kerfent bestand aus 2 Offizieren und 161 Unteroffiziere und Mannschaften. Diese Männer stammten hauptsächlich aus folgenden Einheiten:
- 156. Festungsinfanterieregiment
- 201. Festungspionierbataillon (Pionier- und Fernmeldetruppe)
- 163. Stellungsartillerieregiment (Artilleriebeobachter)
Am 2. September 1939 bestand die Besatzung aus 2 Offizieren und 139 Mann. Bis zum 10. Mai war die Festung auf 4 Offiziere und 140 Unteroffiziere und Mannschaften angewachsen.
Für die autarke Stromerzeugung standen im Notfall zwei Renault 54 PS Stromaggregate zur Verfügung. Ansonsten war das Infanteriewerk an das öffentliche elektrische Netz angeschlossen. Das Werk Kerfent war mit einer 64-fachen Telefonanlage ausgestattet.

Im Jahr 1958 wurde ein Gefechtsstand der kanadischen Luftwaffe (RCAF) in die Anlage integriert. Er blieb bis 1961 in Betrieb und diente der Aufstellung von Antennen. Vor Block 2 wurde eine Richtfunkantenne installiert, die der Fernverbindung zum Luftwaffenstützpunkt Grostenquin diente. In den 1970er Jahren wurde das Werk Kerfent von der Gemeinde Zimming erworben. Heute befindet sich anstelle der Militärantenne ein Fernsehsendemast auf dem Gelände.

 

Block 2: Schartenfront

Block 2: Schartenfront

Block 2: Die Scharten

Block 2: der gepanzerte Scheinwerfer

Block 2: Der Eingang zum Werk mit flankierender Scharte

Block 2: Baujahr am Eingang (1932)

Block 2: Durch Treffer von 8,8 cm Granaten zerstörte GFM-Kuppel

Block 2: Risse in der Decke der Panzerkuppel

Block 2: Durch Beschuß abgeplatzter Stahl

Block 2: GFM-Glocke mit Spuren von 3,7 cm Pak

Block 2: Die gepanzerte Granatwerferkuppel

Block 2: Die Rückseite der GFM-Glocke wurde vom Feuer nicht erfasst

Block 3:

Block 3: Abgeplatzter Stahlbrocken von der GFM-Glocke

Block 3: Durch Treffer von 8,8 cm Granaten zerstörte GFM-Kuppel

Block 3: Durch Treffer von 8,8 cm Granaten zerstörte GFM-Kuppel

Block 3: Durch Treffer von 8,8 cm Granaten zerstörte GFM-Kuppel

Block 3: Durch Treffer von 8,8 cm Granaten zerstörte GFM-Kuppel

Block 4: GFM Panzerkuppel Typ A

Block 4: GFM Panzerkuppel Typ mit Treffer zwischen den Scharten

Block 4: VP-Beobachtungsglocke und Ablufthutze

Block 4: VP-Beobachtungsglocke und Ablufthutze

Block 4: GFM-Glocke die 1945 durch US-Truppen gesprengt wurde

Block 4: GFM-Glocke die 1945 durch US-Truppen gesprengt wurde

Panzersperre aus Eisenbahnschienen

Panzersperre aus Eisenbahnschienen

 

Die Kampfhandlungen

 

Die französische Sicht

10. Mai 1940

Im Morgengrauen, beobachtete Leutnant Kuntz den Himmel und meldete dem Kommandanten, daß ein Schwarm deutscher Flugzeuge in Frankreich eindrang und wahllos Bomben warf.

19. Mai 1940

Die Offiziere des Werks erfuhren mit Erstaunen vom Fall des Infanteriewerks La Ferté nahe Montmédy.
13. Juni 1940

Um 15 Uhr ergeht der Befehl zur Räumung der Befestigungslinie. Lediglich die Besatzungen der Werke und Kasematten sowie wenige Züge der als Feldverstärkung eingesetzten Bataillone sollen für eine begrenzte Zeit als Sicherung vor Ort bleiben, um in den Zwischenräumen Präsenz zu zeigen und Stärke vorzutäuschen.
15. Juni 1940

Der Tag ist für die Zerstörung der Kasematten und Werke vorgesehen. Die verbliebenen Besatzungen beginnen mit der Vernichtung von Dokumenten, Verpflegung, Treibstoffen. Manche der Kasematten werden von den Besatzungen in Brand gesteckt. Ihr eigener Rückzug wird für den 17. Juni um 22 Uhr befohlen.

16. Juni 1940

Die Wehrmacht bezog inzwischen Stellung bei Boucheporn und belegte das Gelände von Kerfent mit Maschinengewehrfeuer. Abteilungen der Wehrmacht versuchten die Hauptwiderstandslinie aufzuklären, wobei es mehrere Scharmützel mit französischen Patrouillen gab, die von der Festung ebenfalls aufklärten. Die Festungsabteilung stationierte jede Nacht eine Kampfgruppe, um die Klippe um Block 4 (Beobachtungsposten Mutscherberg) zu besetzen und die Verteidigung zu verstärken. Diese Abteilung verblieb dort bis zum 19. Juni, danach wurde es wegen Einschließungsgefahr zu riskant. Eine tagsüber von Leutnant Chappeu im Lager Zimming durchgeführte Aufklärung meldete keine Feindpräsenz.

17. Juni 1940

Am Morgen wurde ein Frontalangriff durch den Bois des Bouleaux (Birkenwald) vor Block 4 von den Festungsverteidigungen abgewehrt. Da sich zunehmend deutsche Truppen bereits im Rücken der Maginot-Linie befanden, wurde die Unmöglichkeit eines Rückzugs an diesem Abend erkannt. Der Befehl zur Zerstörung der Befestigungsanlagen wurde zurückgenommen, um soviel Widerstand wie möglich zu leisten. Am Abend begannen Deutsche, die in den Rücken der Befestigungen eingedrungen waren, mit Handfeuerwaffen auf die Beobachtungskuppeln zu feuern und griffen die Festung an. Sie werden vorübergehend durch Kreuzfeuer der verschiedenen Befestigungsanlagen aufgehalten.

18. Juni 1940

Wie am Vortag wurden feindliche Infiltrationen von der Front in Richtung Block 4 und von hinten in Richtung Block 1 durch die Befestigungen abgewehrt. Der Beobachtungsposten Kerfent bestätigte starke feindliche Aktivitäten in der Umgebung.

19. Juni 1940

Der Feind verstärkt seinen Druck auf den Rücken der Befestigung, die nun eingeschlossen ist. Wehrmachtsfahrzeuge, die versuchen, die Straße St. Avold-Metz zu überqueren, wurden von den Befestigungen Kerfent und Bambesch abgefangen. Während Hauptmann Broché und Sergeant Valentin vor der Befestigung mit einem von den Deutschen zur Verhandlung entsandten Zivilisten sprechen, schlägt eine 10,5 cm Granate ein und verwundet beide Männer leicht. Nachdem ein weiterer deutscher Parlamentär, der die Kapitulation der Befestigung forderte, abgewiesen wurde, wird der Beschuss der Blöcke wieder aufgenommen. Zahlreiche feindliche Patrouillen patrouillierten weiterhin um die Befestigungsanlagen.

20. Juni 1940

Deutsche Flak-Geschütze beschossen nun aus nächster Nähe (150 Meter) die Rückseite der Befestigungen Bambesch und Kerfent. Die einzigen nach hinten gerichteten französischen Maschinengewehrstellungen wurden schnell vernichtet. Die Befestigung Kerfent konnte den direkten Beschuß der Blöcke der Befestigung Bambesch nicht verhindern. Der südliche Block der Befestigung Kerfent wurde ebenfalls unter Beschuss genommen, wobei ein Zwillings-MG und die 47 mm Kanone zerstört wurden. Ein deutscher Infanterieangriff auf beide Befestigungen folgte: Bambesch ergab sich um 21:00 Uhr, Kerfent wurde jedoch teilweise durch Feuer von dem Werk Mottenberg entlastet. In der Nacht versuchten die Techniker von Kerfent die zerstörte Schießscharte zu reparieren, um den Überdruck im Werk wiederherzustellen.

21. Juni 1940

Um 04:15 Uhr wurde der Angriff auf das Werk Kerfent wieder aufgenommen. Eine 8,8 cm Flak, die in 400 Metern Entfernung in Stellung gebracht wurde, zerstörte die Verteidigungsscharte am Eingang von Block 2 und nahm die Panzerglocken sowie die Entlüftungsschächte unter Beschuß. Die nördliche GFM-Glocke wurde durchschlagen und der Rauchabzug zerstört. Alle Waffen sind beschädigt und die Zustände in den Blöcken wurden unhaltbar. Insbesondere in Block 3 (Südblock), wo Granaten und Munition nun im Inneren explodieren. Dieser Block wurde geräumt und die Besatzung zog sich in die tiefgelegenen Stollen zurück. Dort organisierte man eine Verteidigung an der Schleuse. Deutsche Infanterie drang durch eine Bresche in den Block ein, kam aber nur bis zur Sperre, da ein leichtes Maschinengewehr (FM) an der Panzertür des Stollens jeden weiteren Vormarsch verhinderte. Die Lage von Block 2 (Nord) war nicht besser: Ein 8,8 cm Flak-Geschütz, das vom MG-Turm des Block 1 nicht eingesehen werden konnte, beschoß das Werk aus einer Entfernung weniger als 400 Meter. Nachdem mehrere Angriffe auf den Eingang abgewehrt wurden, räumte man auch diesen Block. Angesichts der Lage sowie des Mangels an Munition (die teilweise während der Vorbereitungen für den Rückzug zerstört wurde) und an Verteidigungsmitteln (die nach hinten gerichteten Waffen wurden durch 8,8 cm Beschuss zerstört) sieht sich die Besatzung zur Kapitulation gezwungen. Der MG-Turm wurde vorher noch unbrauchbar gemacht, das Oberkommando über die Lage informiert und die letzten Dokumente sowie Fahnen wurden verbrannt. Die Besatzung hisste die weiße Flagge und übergab das Werk an die Deutschen. Die Offiziere wurden von den Mannschaften getrennt und nach Saarbrücken gebracht, nachdem sie von den Angreifern vom deutschen Infanterieregiment 339 beglückwünscht worden waren.

 

Die deutsche Sicht

Abschrift

Luftverteidigungskommando 5                                                                                                                                                                                                                                                                                            22. Juni 1940

- Kommandeur -

 

Betr. Gefechtsbericht

 

An das

 

Luftgaukommando XII

Abt. Ia op 2

 

Wiesbaden

 

In der Anlage werden Berichte der 1./Res.Flak 371 und der 4./Res.Flakabt. 193 über ihren Einsatz gegen Werke der Maginot­Linie in Gegend St. Avold vorgelegt. Hierzu berichte ich:

Nachdem mir durch Oberstleutnant Nieper am Abend des 20.6. gemeldet wurde, daß am 21.6. Teile der Res.Flakabt.371 und 193 im Zusammenwirken mit dem Heer zum Beschuß von starken Werksanlagen eingesetzt werden sollen, begab ich mich in Begleitung des Hauptmann Dr.Federlin (Stab L.V.K.5) in der Nacht zum Einsatzort, um dem Gefecht persönlich beizuwohnen. Von den beiden Werkanlagen 230 und 240 war 230 bereits am 20.6. ohne besondere Schwierigkeit genommen worden. Für den 21.6. war die Wegnahme der Werkanlage 240 angesetzt, die als gut verteidigt angesehen wurde.

Ich wohnte zunächst dem Beschuß mit zwei Geschützen 8,8 cm der 1./371 auf die Südfront der Werkanlage 240 bei. Die Geschütze standen an dem genommenen Werk 230 am Waldrand und hatten gut sichtbare Wirkung.

Der Sturm des Werkes 240 sollte aus dem Wald von Kerfent, ostwärts der Ortschaft Zimmingen, also von Westen erfolgen. Mit dem Inf.Regimentskommandeur, Oberst von Lichtenstein, nahm ich Verbindung auf. Es war bereits mit Oberstleutnant Nieper vereinbart, daß die unmittelbare Unterstützung durch ein Geschütz 8,8 cm und einen Zug 2 cm erfolgen sollte. Dem 8,8 cm Geschütz wurde durch den Batterieführer noch ein Geschütz 2 cm des leichten Flaktrupps zugeteilt.

Das Gelände machte es erforderlich, daß das 8,8 cm Geschütz, das nur auf einer direkt auf die Werkanlage zuführenden Waldschneise herangeführt werden konnte, in 120  m Entfernung vor der Anlage in Stellung gebracht werden mußte. Dies war nur möglich durch gute Feuerunterstützung des zweiten Geschützes 8,8 cm, das von der Werkanlage 230 her lebhaft weiter feuerte und die Aufmerksamkeit der Werkbesatzung nach Süden in Anspruch nahm. Aus der gleichen Richtung feuerte ferner eine Heeresbatterie, ebenfalls mit guter Wirkung.

Auf 120 m Entfernung wurde dann eine Schießscharte des Werkes mit wenigen Schüssen so beschädigt, daß mit Beschuß aus dieser heraus nicht mehr gerechnet werden konnte. Das Feuer wurde dann auf eine Panzerkuppel gelegt. Aus dieser heraus wurde trotz gut liegenden Feuers in Feuerpausen immer wieder mit 4 cm Geschütz geschossen. 

Es war im weiteren Verlauf des Gefechtes, und nachdem ein Versuch das Werk zu stürmen nicht gelungen war, notwendig, dass 8,8 cm Geschütz noch weiter vorzuziehen. Es ging 60 - 70 m vor dem Werk in Feuerstellung und beschoß die Panzerkuppel, aus der nun ganze Stücke herausbrachen. Auf diese Wirkung hin erfolgte die Übergabe der Anlage, auf welcher die Infanterie die Reichskriegsflagge hisste, während sich Flakartilleristen die weiße Flagge herunterholten; diese befindet sich im Bes1tz des L.V.K.5. Es ergaben·sich 4 Offiziere und 140 Mann.

Der 2 cm-Zug unter Führung des Oberleutnant Eckert, Batteriechef der 4./193 ging zunächst nur mit einem Geschütz am Waldrand, Front nach Norden, in Stellung, um das sehr unangenehme M.G.­Feuer aus einem nördlich gelegenen Werke niederzuhalten. Die Entfernung betrug etwa 2.000 m. Das Instellunggehen eines weiteren 2 cm-Geschützes gegen die aus der Flanke feuernden M.G. wurde erforderlich und durch Oberstleutnant Nieper veranlaßt. Das dritte Geschütz dieses Zuges und das 2 cm-Geschütz des leichten Flaktrupps beschossen das Werk 240. Es wurden ferner Geschütze der Panzerjäger des Inf.Regiments eingesetzt, so daß das Werk 240 gut niedergehalten ·wurde. Trotzdem war es nicht möglich, zu stürmen, weil im Augenblick der Feuerpause der Geschütze, immer wieder aus dem Werk mit 4 cm-Geschütz und M.G., darunter zwei aus versenkbaren Panzerkuppeln, mit guter Wirkung geschossen wurde.

Nachdem der Reg.Kommandeur der Infanterie neben mir durch Kopfschuß gefallen war, setzte ich selbst weitere zwei Geschütze der Panzerjäger an, die die versenkbaren Panzerkuppeln im Moment ihres Auftauchens wirksam eindecken konnten. Bei dieser Gelegenheit durchschlug ein M.G.-Geschoß meinen linken Stiefel, verursachte aber nur eine unbedeutende Hautabschürfung oberhalb des linken Fußes.

Um das M.G.-Feuer von links, das infolge der Entfernung von unserer Stellung aus nicht niedergehalten werden konnte, endlich zum Schweigen zu bringen, entsandte ich Oberstleutnant Nieper zur Heeresartillerie, um diese zu veranlassen, ihr Feuer auf die aus der Flanke feuernden M.G. zu legen. Dies kam nicht mehr zur Auswirkung, da inzwischen die Übergabe der Werkanlage 240 erfolgte.

Der Kommandant der Werkanlage erklärte, daß ihm nur das aus nächster Entfernung abgegebene Artilleriefeuer zur Übergabe veranlaßt habe.

Haltung der Truppe: Die Haltung der Soldaten aller Dienstgrade der Flakartillerie war hervorragend und fand volle Bewunderung und Anerkennung bei den eingesetzten Heeresteilen . Hierzu folgende Erläuterungen:

1) Als das 8,8 cm-Geschütz in Stellung gebracht wurde, sagte mir der Inf.Regt.Kommandeur, es sei fabelhaft, wie unsere Leute trotz des schweren M.G -Feuers mit ihrem Geschütz vorgingen.

2) Ein Batl. Kommandeur erklärte mir nach Einnahme der Anlage, daß es ohne die vorzügliche Flakartillerie und die Pakgeschütze nicht möglich gewesen wäre, die Werkanlage zur Übergabe zu bringen.

3) Während des Verbringens des 8,8 cm-Geschützes hörte ich von der in voller Deckung liegenden Infanterie laute Anerkennung. Es fielen die Worte: "Das sind doch schneidige Kerle".

4) Bei meiner Abmeldung beim Gefechtsstand der Division erklärte mir der Ia im Auftrage seines Kommandeurs, der gerade abwesend war, er sei beauftragt, mir die vollste Anerkennung für die vorzügliche Haltung der Flakartillerie auszusprechen. Das Vorgehen der Flakartillerie habe mitreißend gewirkt.

Ich habe in Anerkennung dieser Haltung vor dem genommenen Werk 240 zehn E.K.II an Offiziere, Unterof1iziere und Mannschaften der eingesetzten Flakartillerie-Kräfte ausgehändigt. 

Gemäß Anlage 2 beantrage ich für Oberstleutnant Nieper die Spange zum E.K.I. 

Gemäß Anlage 3 beantrage ich weitere Verleihung von E.K.II. Infolge der Änderung des Unterstellungsverhältnisses bin ich selbst hierzu nicht mehr befugt. Ich bitte die Verleihungen aussprechen zu wollen.

Gemäß Liste (Anlage 4) beabsichtige ich, den aufgeführten Offizieren und dem Gefreiten Lorz das E.K.II zu verleihen. Ich bitte um Einverständniserklärung.

 

Auszugsweise Abschrift.

Gef.-Stab Oberstlt. Nieper   Gef.Std., den 22.6.1940.

 

G e f e c h t s b e r i c h t  

21.6.40

 

Am 21.6. früh hatte die 1./Res.Flak 371 die Geschütze des Zuges Lt. Schmidt-Miehe beim Festungswerk 230 in Stellung gebracht und eröffnete das Feuer gegen das noch stärkere Festungswerk 240. Der Südteil des Werkes wurde rasch niedergekämpft.

Um der Infanterie ein Herankommen durch den Bois de Kerfent" zu ermöglichen, lag das Feuer der eigenen Artillerie auf dem Nordteil der Werkgruppe.

Zur Sicherung des Instellunggehen brachte der Battr.-Chef, Oblt. Eisenhuber, auf der etwa von Westen nach Osten auf das Werk zuführenden Schneise 1 lei. Flak in Stellung. Gleichzeitig waren die noch inzwischen vom Regt.-Kdr. zur Unterstützung herangezogenen 2 Züge der 4./Res.Flak 193 eingetroffen und sollten als Flankenschutz eingesetzt werden.

Das Geschütz der 1./Res.Flak 371 eröffnete im direkten Schuß auf etwa 100 m das Feuer auf die Sehschlitze der Panzerkuppel, während die Infanterie sich an das Werk heranarbeitete. Das Vorgehen der Infanterie war offensichtlich erkannt worden und wurde von der Werkgruppe 205 und 201, sowie von Fla.M.G. und 2 cm Flak im Orte Boucheporn bekämpft. Der Regts.-Kdr. setzte hierauf und auf Bitten der Infanterie, einzelne Geschütze der 4./Res.Flak 193 zum Niederhalten dieses neuen Gegners ein.

Die Geschütze wurden in dem dunklen Wald leicht erkannt und lagen nunmehr andauernd unter stärkstem Feuer. Es fiel der Inf.Regts.-Kdr. Oberst Frhr. v. Lichtenstein.

Inzwischen waren 2 leichte Pak seitlich leicht vorwärts gestaffelt von der 8,8 in Stellung gegangen und versuchten eine ausfahrbare Panzerkuppel zu bekämpfen, die vom Standpunkt der 8,8 nicht zu sehen war. Diese Panzerkuppel brachte der Infanterie stärkste Verluste bei, als sie mit gestreckten Ladungen das Werk in Besitz nehmen wollte. Der Angriff schien gescheitert.

Der Regts.-Kdr. gab hierauf den Befehl, das Geschütz bis in Höhe der Pak, weitere 25 m, vorzubringen und die Panzerkuppel zu zerstören. Nach etwa 20 weiteren Schuß ergab sich die Besatzung, 4 Offiziere, 140 Mann.

Auch hier wiederum erklärten die Gefangenen, daß die Übergabe nur wegen der von der Flak erzielten Wirkung erfolgte.

Fernmündlich wurden durch einen Mann der Besatzung die Werke 201 und 205 verständigt, das Feuer vorübergehend einzustellen, damit die Gefangenen das Festungswerk 240 verlassen konnten. Diese Zeit benutzte das 2. Geschütz der 1./Res.371, um gegen diese Bunker, wenige Meter weiter rechts, in Stellung zu gehen. Die Bekämpfung wurde abgebrochen, nachdem ein Angriff auf das Werk nicht beabsichtigt war und ein Beschuß wegen des flankierenden Feuers stärkste Verluste bei der Bedienung verursacht haben würde.

Sämtliche eingesetzten Geschütze wurden trotz heftigsten Feuers zurückgebracht.

Von der 4./Res.193 waren 2 Mann schwer und 1 Mann leicht verwundet worden.

Am  Nachmittag bekämpfte der Zug Lt. Schmidt-Niehe aus dem Walde "Stocken“ nordwestlich Lauterfangen auf etwa 500 m die Panzerkuppel 200, auf der am Vormittage Artilleriefeuer gelegt worden war. 1 Panzerkuppel und die Südseite des Werkes wurden nachhaltig zerstört.

1./Res.Flak 193 und 2 Züge 4./Res.Flak 371 waren an diesem Tage nicht eingesetzt worden, da die über Kurzel, Püttingen, Homburg-Bidingen auf Dalstein angesetzte Infanteriegruppe erst den Bereitstellungsraum erreichen und von feindlichen Nahsicherungen säubern mußte.

 

Lagekarte beim Kampf um das Infanteriewerk Kerfent

Quelle: BArch RL 11/107

Letzter Stand: 29.09.2026