Maubeuge

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"Das Umgelände der Festung, durch die Sambre in 2 Hälften zerlegt, ist ein leicht gewelltes Flachland, dessen Wasserläufe jedoch ziemlich tief und scharf eingeschnitten sind. Im Südosten und Westen ist das Gelände bedeckt und unübersichtlich, im Norden, Nordosten und Süden freier und übersichtlicher. Das südliche Sambre-Ufer überhöht das nördliche. Auf der Ostfront ist der Untergrund wahrscheinlich felsig, auf den übrigen Fronten im allgemeinen mit dem Spaten leicht zu bearbeiten. Schwierigkeiten können sich aber bei feuchter Witterung stellenweise durch Aufweichen des Bodens ergeben.

Die Befestigungsanlagen bestehen aus einer Stadtumwallung und einem 3-5½ km vorgeschobenen Fortgürtel. Vorgeschobene Stellungen sind im Frieden nicht ausgebaut. Der Fortgürtel hat etwa 30 km Umfang; er setzt sich aus 6 Forts und 7 Zwischenwerken zusammen. Bis auf eine geringe Anzahl Batterien und einige Abschnitts-Munitionsmagazine ist das Zwischengelände nicht ausgebaut.

In der Stärke des Ausbaues weisen die einzelnen Fronten keine wesentlichen Unterschiede auf. Nur der Südfront verleiht das Fort du Bourdiau eine erhöhte Widerstandskraft. Es ist ein großes Infanteriewerk neuerer Bauart mit Hindernisgitter und betonierter Kehlkaserne. Der Graben – bisher zur frontalen Bestreichung eingerichtet – wird zur Zeit umgebaut und mit äußeren Grabenwehren versehen.

Die 5 alten Forts Boussois (O), Cerfontaine (O), Hautmont (SW), Leveau (NW), des Sarts (N) haben hohen Aufzug, Grabenbestreichung aus inneren Grabenwehren und bis auf Boussois keine bombensicheren Räume.

Die Ouvrages sind neuzeitliche Zwischenwerke mit Grabenbestreichung aus äußeren Grabenwehren und betonierten Hohlräumen. Sie sind zum Teil mit Infanterie-Anschlußlinien versehen. Die Ouvrages des Rocq (O) bestehen aus 3 alten Batterien mit Verbindungslinien für Infanterie.

In den Forts Cerfontaine und Boussois steht je 1 alter Hartgußpanzerturm für 2 lg. 155 mm Kanonen. Bourdiau hat eine Zwischenraumstreiche in einer Panzerkasematte im linken Kehlpunkt zur Bestreichung des Zwischengeländes nach Osten (Bestückung unbekannt). Die Ouvrages Feignies (W), Grèvaux (W) und Héronfontaine (N) besitzen je einen Infanteriewachturm, auch in den anderen Ouvrages werden solche Türme vorhanden sein. Neuerdings wird der Einbau eines oder zweier Panzertürme in der Front des Forts Bourdiau sowie je eines in den Forts Hautmont und des Sarts gemeldet. Nähere Nachrichten fehlen.

Die Stadtumwallung ist veraltet.

Ein Schmalspurbahnnetz mit 3 elektrisch betriebenen Linien sowie eine schmalspurige Lokalbahn erleichtern die Armierung und den Munitionsersatz. Eine Luftschiffhalle und ein Flugplatz befinden sich im Osten der Stadt.

Geschützausrüstung 300-400 Kampfgeschütze. Kriegsbesatzung 35000-40000 Mann."

Quelle: Großer Generalstab 4. Abteilung "Die französischen Befestigungen gegen Deutschland und die Grundzüge ihrer Verteidigung" Nr. 492 Geheim 1913

 

Fort Leveau

Fort des Sarts

Fort de la Salmagne

 

 

Die Belagerung im Jahre 1914:

"Nach der Schlacht bei Charleroi, 20.-22, August, und der Schlacht bei Mons, 23. August, gingen die geschlagene französische 5. Armee und die Engländer nach Süden zurück, östlich und westlich an Maubeuge vorbei, und überließen diese Festung ihrem Schicksal. Die 1. deutsche Armee ging in der Verfolgung der Engländer ebenfalls westlich Maubeuge vor und ließ vorläufig nur eine Division zur Beobachtung der Festung zurück. Die 2. deutsche Armee folgte den Franzosen ostwärts von Maubeuge. Da jedoch die Lage der Festung an einer der besten rückwärtigen Verbindungen der deutschen Heere eine baldige Wegnahme derselben unbedingt erforderte, so erhielt die 2. Armee von der O.H.L. den Befehl, die Festung so rasch wie möglich zu Fall zu bringen. Mit dem Eintreffen der von der 2, Armee mit der Wegnahme der Festung betrauten Truppen vor Maubeuge zog dann die 1. Armee die zurückgelassene Division wieder an sich heran.

Die Festung Maubeuge sperrt das Sambretal mit seinen dasselbe durchziehenden zahlreichen Verkehrswegen. Der Platz besitzt eine alte, aus der Zeit Vaubans datierende Kernumwallung und ist von sechs detachierten Forts (Boussois, Cerfontaine, Bourdiau, Haumont, Leveau und Sarts) und sechs Zwischenwerken (Bersillies, Salmagne, Ferriere, Grevaux, Feignies und Heron-Fontaine) umgeben. Die Distanz dieser Werke von der Stadtenceinte variiert zwischen 3 und 6 km, die Intervalle zwischen den Werken betragen bis zu 4 km und die Festung hat einen Umfang von ca. 30 km. Die sechs Forts sind schon vor 1885 gebaut worden und sind wegen ihres hohen Aufzuges gut sichtbar. Die Forts Boussois und Cerfontaine haben nachträglich einen alten Hartguß-Panzerturm erhalten; in den Forts Bourdiau, Haumont und Sarts wurde später ein moderner Panzerturm für eine 75-mm-Kanone eingebaut. Im übrigen entsprachen aber alle sechs Forts den neuzeitlichen Anforderungen auf Widerstandskraft nicht mehr. Einzig beim Fort Bourdiau sind nachträglich einige Betoneindeckungen verstärkt worden. Die sechs Zwischenwerke sind dagegen nach etwas neueren Grundsätzen in den Jahren 1894/95 erstellt worden.

Zwischen den Forts Boussois und Cerfontaine befindet sich noch ein vorgeschobener Infanteriewall von 800-900 m Länge, das sog. Ouvrage du Rocq, das aber keinen großen Verteidigungswert mehr besitzt.

Zur Flankierung der Intervalle zwischen den Werken waren Geschütze in offenen Batterien hinter den Werken vorhanden. Im Jahre 1910 war ein Ausbauprogramm für die Festung aufgestellt worden und darin war festgesetzt, daß sie nur einer mit schwerer Artillerie verstärkten Feldarmee zu widerstehen brauche und einen feindlichen Anprall nur so lange solle aufhalten können, bis die eigene Feldarmee herangekommen sei. Eine regelrechte Belagerung komme für die Festung also nicht in Betracht, sie brauche deshalb, gleich wie alle andern Festungen der Nordgrenze Frankreichs, nicht mit den modernsten Verteidigungsmitteln ausgerüstet zu werden. Von den damals beschlossenen Ergänzungs- und Verstärkungsbauten war aber bei Kriegsbeginn nur ein kleiner Teil ausgeführt und die dafür bewilligten Kredite noch lange nicht auf­gebraucht.

Kurz vor dem Kriege hatte der Kommandant der Fe­stung, General Fournier, in einem Bericht an das Kriegsministerium auf den vernachlässigten Zustand der Festung aufmerksam gemacht. Er kam damit aber übel an, und das Kriegsministerium suspendierte ihn in seiner Stellung. Auf Grund einer daraufhin erfolgten Untersuchung wurde er aber bald wieder in die Funktion als Festungskommandant eingesetzt; doch hat das jedenfalls lähmend auf seinen Unternehmungsgeist eingewirkt.

Immerhin wurde seit dem 29. Juli tüchtig an der Verteidigungsstellung der Festung gearbeitet, unter Zuzug von ca. 6000 Zivilarbeitern. In ca. vier Wochen wurden etwa 50 km Schützen- und Deckungsgräben ausgehoben, etwa 50 behelfsmäßige Batterien und ca. eine Million Quadratmeter Drahthindernisse erstellt. Es fehlte aber überall an bombensichern Unterständen. Bis zur Ankunft der Deutschen, am 24. August, war der Ausbau der Hauptverteidigungsstellung nahezu vollendet, und bis zum 29. August, an welchem Tage die Beschießung der Festung begann, wurde noch an der Einrichtung rückwärtiger Stellungen gearbeitet. Vorgeschobene Stellungen wurden aber keine vorbereitet. Die in der Hauptverteidigungsstellung gelegenen Befestigungsanlagen wurden mit den permanenten Werken in sog. »Centres de resistance« zusammengefaßt, die von einem besonderen Drahthindernis umzogen wurden und so zu einer selbständigen Verteidigung befähigt waren.

Mit der Evakuierung der Zivilbevölkerung war am 16. August, nach dem Fall von Lüttich, begonnen worden; sie war aber noch lange nicht beendigt, als die Deutschen vor der Festung anlangten.

Als Besatzung waren der Festung zugeteilt: 1 regiment actif (3 bataillons), 8 bataillons de reserve, 16 bataillons territoriaux, 2 escadrons de reserve, 4 batteries de campagne, 24 sections de mitrailleuse, 7 compagnies de genie und 500 douaniers, im ganzen ca. 49.000 Mann. Die artilleristische Armierung bestand aus 435 Geschützen, wovon 12 Geschütze großen Kalibers (22 cm) und 184 Ge­schütze mittleren Kalibers (12 und 15 cm).

Der Kommandant der Festung, General Fournier, hatte diese in fünf Verteidigungssektoren eingeteilt, entsprechend den Centres de resistance, und sieben Bataillone mit den vier Feldbatterien als Generalreserve ausgeschieden. Die Festung hatte auch noch zwei lenkbare Luftschiffe besessen, welche aber am 23. August nach dem Landesinnern hatten abgegeben werden müssen. Flugzeuge waren keine vorhanden und wurden vom Festungskommando erst angefordert, als es zu spät war. Die telegraphischen Verbindungen nach außen waren auch nicht genügend gesichert.

Nach dem Rückzuge der Franzosen, nach der Schlacht an der Sambre, hatten die Deutschen durch Luftaufklärung festgestellt, daß sich keine Feldtruppen in die Festung zurückgezogen hatten. Das Oberkommando der deutschen 2. Armee glaubte deshalb, die Festung sei nur mit der planmäßigen Kriegsbesatzung besetzt, die zu 7.000 Mann angenommen wurde. Es erachtete deshalb, nach anfänglichem Zurückhalten von zwei Armeekorps zur Beobachtung der Festung, daß ein Armeekorps mit den erforderlichen Belagerungsformationen zur Wegnahme der Festung genügen dürfte. Dafür bestimmte es das VII. Res. K., unter dem Kommando des Generals v. Zwehl; doch war von diesem Armeekorps vorläufig nur die 14. Res.Div, zur Stelle, die 13. Res.Div, befand sich noch als Besatzung in Lüttich. Deshalb wurde zunächst noch die 26. J. Br. des VII. A.K. vor der Südfront der Festung belassen, während die 14. Res.Div. die Nord- und Ostfront abschloß. Für die Westfront stand nur etwas Kavallerie zur Beobachtung der Festung zur Verfügung.

An Belagerungsformationen wurden General v. Zwehl zugeteilt: zwei Regimenter Festungspioniere, und von der vor Lüttich und Namur frei gewordenen Be1agerungsartillerie

4 Bttr, 10-cm-Kanonen, 

8 Bttr, 21-cm-Mörser,

2  13-cm-Kanonen,

2  30,5-cm-Küstenmörser,

2  15-cm-Feld-Hb,

1  30,5-cm-österreich.-Mot.Gesch.,

1 42-cm-Marine-Kanone.

Zusammen 8 Batterien mittlern Kalibers und 12 Batterien schweren und schwersten Kalibers, im gesamten 72 Belagerungsgeschütze.

Im Hinblicke auf die gewaltige Zerstörungskraft dieser Artillerie entschloß sich General v. Zwehl zum gleichen Angriffsverfahren, wie es vor Namur zur Anwendung gekommen, also zu einem gewaltsamen Angriff. Den Hauptangriff wollte er gegen die Nordostfront führen, einen Nebenangriff gegen die Südostfront. Für letzteren bestimmte er eine Infanteriebrigade mit einer Feldartillerieabteilung sowie zwei 10-cm-Batterien und vier 21-cm-Mörser-Batterien. Für den Hauptangriff verblieben ihm somit, außer der Hauptmasse der Belagerungsartillerie und der Pioniere, bis zum Eintreffen der 13. Res.Div, nur noch eine Infanteriebrigade und eine Abteilung Feldartillerie.

Vom 24. — 28. August fanden nur kleinere Rencontregefechte mit den vom Verteidiger ins Vorfeld gesandten Patrouillen statt. Die Angriffsinfanterie gelangte in dieser Zeit, ohne auf ernstlichen Widerstand zu stoßen, bis auf nahezu 2 km an die Hauptverteidigungsstellung der Festung heran, und die Belagerungsartillerie konnte sofort in günstiger Schußweite von den Festungswerken in Stellung gebracht werden.

Am 29. August eröffnete die Belagerungsartillerie das Feuer gegen die Werke der Nord- und Ostfront, obschon die Hauptmasse der Munition noch nicht angelangt war. Der Verteidiger erwiderte das Feuer sofort, konnte aber die Lage der Angriffsbatterien vorerst nicht auffinden. Der einzige in der Festung vorhandene Fesselballon war schon nach dem zweiten Aufstieg, am 29. havariert worden, bevor er die feindlichen Batterien hatte entdecken können. Erst durch Landleute erfuhr man, daß diese bei Erquelinnes, in einer Kiesgrube, sowie in der Gegend von Grandreng und Rouveroy standen. Die Deutschen konnten aber in den nächsten Tagen das Bombardement nur schwach unterhalten, da der Nachschub der Munition auf den wenigen wiederhergestellten Bahnlinien auf große Schwierigkeiten stieß.

Vor der Südostfront verzögerte sich die Feuereröffnung bis zum 2. September, da die Infanterie erst an diesem Tage weit genug vorkam, um die Artilleriebeobachtungsstellen decken zu können.

Am 1. September unternahm die Generalreserve des Verteidigers einen Ausfall in nordöstlicher Richtung, um die Stellungen der Belagerungsartillerie aufzusuchen und diese womöglich unschädlich zu machen. Der Vorstoß wurde aber durch die Infanterie und die Pioniere des Belagerers ohne große Verluste abgeschlagen. Von den Franzosen soll aber das Regiment actif allein 23 Offiziere und ca. 900 Mann verloren haben.

Am 2. September konnte durch Flieger festgestellt werden, daß die Werke Salmagne, Boussois und Cerfontaine durch die Beschießung schon stark gelitten hatten und daß die bewegliche Artillerie der Hauptverteidigungsstellung, welche gegen das Feuer der Angriffsartillerie nicht mehr aufkam, in rückwärtige Stellungen verbracht worden war. Da unterdessen auch die 13. Res.Div. eingetroffen war, so wurde in der Nacht zum 4. September die Infanterie auf der Nordostfront bis auf Gewehrschußweite an die Hauptverteidigungsstellung vorgeschoben und erhielt Befehl, sich hier einzugraben.

Am 4. September hatten die Zerstörungen an den Verteidigungswerken einen solchen Grad erreicht, daß die Stellung als sturmreif erachtet wurde. Die Angriffsinfanterie ging deshalb zum Sturme vor, und bis 5. September früh gelang es ihr, das Centre de resistance Bersillies-Salmagne in Besitz zu nehmen, womit der Einbruch in die Hauptverteidigungsstellung der Festung erzielt war. Jetzt wurde auch mit der Beschießung des Festungskerns mit weittragenden Geschützen begonnen, wodurch Brände in der Stadt erzeugt und die Station für drahtlose Telegraphie zerstört wurden.

Wegen der an der Marne zu dieser Zeit entbrannten schweren Kämpfe wollte das Oberkommando der 2. deutschen Armee die J.Br. 26 jetzt schon in der Richtung Laon abmarschieren lassen.

General v. Zwehl berichtete aber, die Besatzung der Festung könnte diese dann in südlicher Richtung verlassen und im Rücken der 2. Armee Störungen verursachen, worauf der Abmarschbefehl an diese Brigade rückgängig gemacht wurde.

Am frühen Morgen des 6. September bemächtigten sich die Deutschen auch des von den Franzosen verlassenen Forts Boussois und wenige Stunden später auch des Ouvrage de Rocq, stießen aber beim weitern Vorgehen auf neue Widerstandslinien. Ein an diesem Tage durch einen Flieger abgeworfenes Schreiben an den Festungskommandanten mit der Aufforderung zur Übergabe der Festung blieb unbeantwortet.

Am Morgen des 7. September fiel dann auch das Fort Sarts, und in den ersten Nachmittagsstunden die Forts Cerfontaine und Levau, und damit war die Hauptverteidigungsstellung der Festung auf der Hälfte ihres Umfanges in den Händen der Deutschen und der Platz unhaltbar geworden. Der Festungskommandant versuchte zwar noch die Verteidigung in der Nacht vom 6./7. auf die Linie Fort Levau — Stadt Maubeuge — Flüßchen So1ve zu verlegen, die Deutschen nahmen nun aber auch noch die bisher intakt gebliebenen Werke der Süd- und Westfront, über den Festungskern hinweg, also von der Kehlseite her, unter Feuer, wodurch in der Festung ein unbeschreiblicher Wirrwarr entstand. Der Besatzung bemächtigte sich eine so große Mutlosigkeit, daß der Festungskommandant den weitern Widerstand aufgab und durch einen Parlamentär die Deutschen um einen Waffenstillstand ersuchte. Dieser wurde aber rundweg abgeschlagen und die Übergabe der Festung bis 7 Uhr abends gefordert, ansonst die Beschießung fortgesetzt würde. General Fournier blieb nichts anderes übrig, als zu kapitulieren, und zur großen Überraschung der Deutschen fielen ihnen, statt der vermuteten 7.000 Mann, 4 Generäle, 403 Offiziere und 32.300 Mann in die Hände. (Nach französischen Dokumenten 45.636 Mann.) Ein kleiner Teil der Besatzung hatte die Zernierungslinie im Westen, wo sie nur wenig dicht war, durchbrechen können.

Der Verteidiger hatte an Toten, Verwundeten und Vermißten ca. 5.000 Mann verloren; die Verluste der Deutschen waren dagegen nur sehr gering,

Betrachtungen:

Maubeuge hat seine Aufgabe, der französisch-englischen Armee als Manöverierplatz zu dienen, zwar nicht erfüllt, es hat dagegen mehrere wichtige Verbindungslinien der vorgeschobenen deutschen Armeen während zwei Wochen wirksam unterbunden und während dieser Zeit nahezu 60.000 Mann feindliche Truppen an sich gebunden, deren Fehlen an der Marne von den Deutschen schmerzlich empfunden worden ist.

Der rasche Fall der Festung ist auch hier, wie bei den belgischen Festungen, der übermächtigen Belagerungsartillerie der Deutschen zuzuschreiben, denen die Festungswerke von Maubeuge nicht gewachsen waren. Aber auch hier hat die große Energie der deutschen Führer und ihrer Truppe viel zu dem raschen Erfolge beigetragen. Es ist das um so höher zu bewerten, als der Angreifer dem Vertei­diger anfangs an Zahl sehr unterlegen war. Das schnelle Freiwerden des VII. Res.K. für anderweitige Operationen war aber für die Deutschen auch von größter Bedeutung, denn ohne das rechtzeitige Eintreffen dieses Armeekorps am Chemin des Dames hätte ein Durchbruch der Engländer und Franzosen zwischen der 1. und 2. deutschen Armee voraussichtlich nicht verhindert werden können.

Die Verteidigung der Festung muß dagegen als matt und wenig energisch bezeichnet werden. Es kann das einigermaßen damit ent­schuldigt werden, daß ein großer Teil der Besatzung aus Territorialtruppen bestanden hat, die für eine mobile und aktive Verteidigung wenig tauglich waren. Nachteilig auf die Entschlüsse des Festungskommandanten hat aber jedenfalls auch der Umstand eingewirkt, daß das Kriegsministerium es unterlassen haben soll, offiziell bekannt zu machen, daß die Suspendierung des Generals Fournier, zufolge seines Rapportes wegen dem vernachlässigten Zustande der Festung, wieder rückgängig gemacht worden sei."

Quelle: Genieoberst J. Rebold, ehem. Chef des eidg. Festungsbaubureau "Die Festungskämpfe im Weltkriege" 1938

 

Letzter Stand: 26.09.2014