Kasematte 35/3 Marckolsheim

Startseite Festungen Bunker Lexikon Was ist neu? Links Über mich

Die Rheinverteidigung im Elsaß bestand auf französischer Seite aus drei Linien. Einer Uferlinie mit Kasematten war eine Vorpostenfunktion zugedacht, die Übersetzversuchen ersten Widerstand entgegenstellen sollte. Die zweite Linie bestand aus einem gestaffelten Grabensystem. Die dritte Linie war die Hauptverteidigungslinie und befand sich drei Kilometer hinter dem Rheinufer. Sie bestand aus schweren Kasematten und sollte ein Vordringen der Wehrmacht solange verzögern, bis die Intervalltruppen oder Reserven eingreifen konnten.

Die großen Kasematten der dritten Linie sind nach Sonderbauplänen erstellt. Es gab von ihnen im Verteidigungsabschnitt Colmar fünf Stück: Fort-Louis-Village, Ziegelhof, 32/3 Sassenheim, 35/3 Marckolsheim und 45/3 Algolsheim-Ost. Sie wurden in Bauststärke 1 ausgeführt, d. h. Deckenstärke 1,5 m, Frontstärke 1,8 m, Seitenwände 1,5 m und Rückwände 1,0 Meter. Die Frontseite ist durch Erdanschüttung mit Zerschellerschicht extra verstärkt. Alle Kasematten wirkten flankierend und konnten frontal nur mittels Zwillings-MG aus Panzerglocke wirken. Die Hauptbewaffnung bestand aus drei Zwillings-MG, zwei 47 mm Pak und drei leichten MG zur Nahverteidigung. Aus der GFM-Glocke konnte auch ein Granatwerfer eingesetzt werden.

Am 15. Juni 1940 begann die Wehrmacht mit der Überschreitung des Rheins. Die am Ufer sichtbaren Kasematten wurden schnell durch das rasante Punktfeuer der 8,8 cm Flak-Geschütze ausgeschaltet. Der Übergang gelang an mehreren Stellen und gegen Mittag stand die deutsche Infanterie vor Marckolsheim und Bootzheim. Ein erster Versuch nach Marckolsheim vorzudringen scheiterte um 16.30 Uhr an dem Feuer aus den sich gegenseitig deckenden Kasematten. Man beschloß über Nacht 8,8 cm Flak nach vorn zu bringen und für den Angriff am nächsten Tag zu positionieren. Bei Tagesanbruch eröffnete die Flak das Feuer auf den Bunker und erzielte in kürzester Zeit drei Treffer auf der Panzerglocke. Gegen 15.30 Uhr gelang es schließlich einem Stoßtrupp, durch in den Bunker geworfene Sprengladungen, die Besatzung zur Aufgabe zu zwingen. Der weitere Vormarsch wurde jedoch noch durch den Nachbarbunker unterbunden, der erst am 17. Juni seine Waffen streckte.

Heute ist der Bunker 35/3 ein Museum, dass während des Jahres über besichtigt werden kann. Auch heute noch stecken in ihm die 8,8 cm Granaten vom Beschuss.

Linke Fassade

Rechte Fassade mit gepanzertem Scheinwerfer

Die GFM-Glocke mit Beschußspuren

Drei Treffer mit 8,8 cm Panzergranaten

8,8 cm Panzergranate in der GFM-Glocke

8,8 cm Panzergranate in der GFM-Glocke

Durchbruch der Granaten im Inneren der GFM-Glocke

Eingangspanzertür

Mannschaftsraum mit Doppelstockbetten

Maschinensaal

Frontal wirkende Zwillings-MG-Panzerglocke

Innenansicht der Zwillings-MG-Panzerglocke

Leichtes MG 24/29 in Nahverteidigungsscharte

Die Nahverteidigungsscharte von außen

Letzter Stand: 17.10.2012